Die FrauenFilmTage Wien waren ein Festival für filmische Perspektiven auf Frauen, Geschlechterverhältnisse und gesellschaftliche Macht. Seit 2004 boten sie internationalen Arbeiten und Gesprächen darüber einen eigenen Rahmen. Dieses Profil dokumentiert das historische Festival: Im Filmwirtschaftsbericht zum Jahr 2020 wird es als ruhend geführt.

Filmprogramme in Wiener Kinos

Für 2019 ist eine Ausgabe vom 28. Februar bis 7. März belegt. Zu den Spielstätten gehörte das Stadtkino im Künstlerhaus. Die Eröffnung fand am 28. Februar im Filmcasino statt: Gezeigt wurde The Third Wife der vietnamesischen Regisseurin Ash Mayfair. Der Film über eine junge Frau in einer patriarchal geprägten Familie im Vietnam des 19. Jahrhunderts passte zum Interesse des Festivals an weiblichen Handlungsmöglichkeiten und gesellschaftlichen Abhängigkeiten.

Der Blick auf Geschlecht beschränkte sich bei den FrauenFilmTagen nicht auf eine einzelne Filmgattung. Neben längeren Kinoarbeiten fanden auch kurze künstlerische Filme Platz. Eine dokumentierte Zusammenarbeit mit der Akademie der bildenden Künste Wien zeigt, wie das Festival akademische Film- und Kunstpraxis mit einer öffentlichen Kinovorführung verband.

Kurzfilme und künstlerischer Nachwuchs

2018 präsentierten Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen der Akademie Arbeiten unter dem Thema Geschlechterkonstruktionen in kurzen Formaten. Eine Jury stellte daraus eine Shortlist zusammen. Das etwa 70-minütige Programm wurde am 5. März im Stadtkino im Künstlerhaus gezeigt; der Eintritt war frei. Die Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden stiftete für den ausgezeichneten Beitrag ein Preisgeld von 1.000 Euro.

Diese Kooperation machte unterschiedliche Formen der Auseinandersetzung mit Geschlecht im Kino sichtbar. Sie war zugleich eine konkrete Gelegenheit, studentische und bereits außerhalb der Hochschule entstandene Arbeiten gemeinsam zu zeigen. Die damaligen Teilnahme- und Preisangaben beziehen sich ausschließlich auf diesen historischen Wettbewerb.

Einordnung in die Wiener Festivalgeschichte

Die frühere FrauenFilmTage-Leiterin Gabi Frimberger gehörte später zum Gründungsteam von Queertactics. Gemeinsam mit Dagmar Fink und Katja Wiederspahn entwickelte sie 2019 das neue queer-feministische Festival. In einem Interview von 2021 erläuterten die Initiatorinnen dessen eigenen programmatischen Ansatz und die Bedeutung eines gemeinsamen Kinoraums.

Queertactics ist deshalb als eigenständiges Festival zu betrachten. Für die Recherche nach älteren Vorführungen, Filmografien oder Kooperationen bleibt der Name FrauenFilmTage Wien relevant: Er bezeichnet eine eigene Veranstaltungsreihe mit dokumentierten Programmen und Partnern. Die belegte Ausgabe 2019 gehört zu dieser Geschichte; aus späteren Hinweisen auf den ruhenden Betrieb lässt sich kein früheres Ende ableiten.