Sehsüchte ist ein studentisch organisiertes Filmfestival in Potsdam an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Das Programm verbindet Filme mit Formen, die noch vor einem fertigen Film ansetzen oder über die gewöhnliche Kinovorführung hinausgehen. Dazu gehören Drehbuch und Pitch ebenso wie Ausstellungen und immersive Arbeiten.

Von Studentenfilmtagen zu Sehsüchte

Die historischen Anfänge liegen 1972. Damals fanden an der Filmhochschule FDJ-Studententage statt, die eigene Arbeiten und Filme aus befreundeten Ländern zeigten. Das Festival war zunächst in die Filmhochschule der DDR eingebunden. Die heutige Festivalgeschichte führt diese Hochschulveranstaltung als ihren Ausgangspunkt an.

1995 wurde das Festival unter dem Namen Sehsüchte neu ausgerichtet. Studierende übernahmen dabei eine prägende Rolle. Wechselnde Teams entwickeln und organisieren die einzelnen Ausgaben. Das verbindet Festivalarbeit mit der Hochschule, macht das Programm aber zugleich zu einer öffentlichen Begegnung mit Filmen und ihren Beteiligten. Die Jahrgänge setzen dabei jeweils eigene Schwerpunkte und Mottos; auch die visuelle Gestaltung wechselt mit den Teams.

Film, Text und räumliche Erfahrung

Zu den filmischen Schwerpunkten zählen Fiktion, Dokumentarfilm, Animation und Experimentalfilm. Kürzere und längere Arbeiten können dabei unterschiedliche Plätze im Programm finden. Die ergänzenden Sektionen erweitern die Perspektive: Social Impact beschäftigt sich mit gesellschaftlicher Wirkung, Musikvideos verbinden musikalische und visuelle Gestaltung, und Future richtet sich an ein jüngeres Publikum.

Schreibsüchte rückt dagegen Stoffe und Texte in den Mittelpunkt. Drehbucharbeit, Kopfkino und Pitchformate eröffnen einen Zugang zu Projekten, die nicht allein über eine fertige Filmkopie vermittelt werden. Das Publikum kann im Kopfkino und beim Live-Pitch verfolgen, wie eine Geschichte über Sprache und Präsentation vermittelt wird, bevor ihre Bilder fertig vorliegen.

Exhibition umfasst unter anderem audiovisuelle Installationen, interaktive Arbeiten und performative Formen. Der Bereich VR beschäftigt sich mit 360-Grad-Filmen sowie linearen und interaktiven Erfahrungen; auch erweiterte Realität gehört zum beschriebenen Spektrum. Ausgewählte VR-Arbeiten können mit einer Brille erlebt werden; die Exhibition bietet auch Raum für audiovisuelle Performances.

Eine Ausgabe im jeweiligen Zusammenhang

Die 55. Ausgabe fand 2026 unter dem Motto „What’s Left?“ statt. Workshops, Gespräche und künstlerische Arbeiten sollten dabei Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukünfte miteinander in Beziehung setzen. Die Retrospektive zeigte Filme aus der Geschichte der Filmuniversität. Sie ergänzte die aktuellen Arbeiten um einen Blick auf früheres Hochschulkino und dessen ästhetische wie gesellschaftliche Voraussetzungen.

Zur historischen Auseinandersetzung trägt auch der Verein Freunde des Studierenden Film Festivals Sehsüchte bei. Sein Archiv erschließt unter anderem die Ausgaben von 2008 bis 2022; zum fünfzigjährigen Jubiläum 2021 entstand zudem eine digitale Ausstellung.