Begriff

Anagnorisis

Anagnorisis bezeichnet in der Dramentheorie einen Wechsel vom Nichtwissen zum Erkennen. Eine Figur gewinnt eine entscheidende Einsicht, etwa in die Identität einer Person oder in die Bedeutung einer früheren Handlung. Der griechische Begriff wird auch mit Wiedererkennung oder Erkenntnis wiedergegeben.

Aristoteles beschreibt diesen Vorgang in seiner Poetik besonders im Zusammenhang mit Beziehungen zwischen Figuren. In einem fiktiven Beispiel erkennt eine Figur in einem vermeintlich Fremden ihren lange vermissten Bruder. Die neue Kenntnis kann verändern, wem sie vertraut und wie sie dessen bisheriges Verhalten versteht. Das Publikum kann die Identität bereits vorher gekannt haben.

Eine Anagnorisis betrifft somit das Erkennen innerhalb der Handlung, nicht allein eine überraschende Information für die Zuschauenden. Sie kann die Beziehungen der Figuren neu ordnen. Eine Peripetie bezeichnet dagegen einen Umschlag des Handlungsverlaufs. Beide Vorgänge können zusammenfallen, sind aber nicht austauschbar; eine Enthüllung muss nicht automatisch eine vollständige Umkehr der Entwicklung bewirken.

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