Vincent: Das Vorstellungsgespräch

Monolog · Gegenwart · Gereimte Verse (Paarreim)

Vincent: Steht da „gereimt“?

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 265 Wörter
Umfang
36 Verseungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 22–26redaktionelle Einschätzung
Tonlage
nervöskomisch
Sprache
Gereimte Verse (Paarreim)

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Inhalt
Seite

(Ein gläserner Besprechungsraum einer Versicherung. Vincent, vierundzwanzig, frisch gebügeltes Hemd, sitzt der Personalleiterin gegenüber. Sie lächelt freundlich und schreibt mit.)

  1. „Warum gerade wir?“ Ich will nicht lügen:
  2. Sie waren die Ersten, die nicht schwiegen.
  3. Ich habe zweiundvierzigmal geschrieben,
  4. zweiundvierzigmal ist es still geblieben,
  5. dann kam Ihr Brief, auf festem Papier,
  6. „Wir freuen uns.“ Und jetzt bin ich hier.
  1. „Und Ihre Stärken?“ Ich bin pünktlich, sehr.
  2. Ich komme gern eine Stunde vorher,
  3. dann sitz ich im Auto und schau auf die Uhr
  4. und atme. Das ist meine Stärke. Nur.
  5. Ich kann gut zuhören, ich kann Excel,
  6. ich lerne langsam, aber dafür schnell –
  7. gründlich, wollte ich sagen, gründlich,
  8. ich bin nervös. Das sieht man. Stündlich.

(Die Personalleiterin schreibt. Vincent sieht auf ihren Block.)

  1. „Und Schwächen?“ Ja, da hab ich viel.
  2. Man nennt die guten. Das ist hier das Spiel:
  3. Ich sage „Ungeduld“ und „Perfektion“,
  4. das sagen alle. Das kennen Sie schon.
  5. Die echte Schwäche, wenn ich ehrlich bin:
  6. Ich frag mich bei allem nach dem Sinn.
  7. Sie schützen Häuser, Autos, Hände –
  8. wer schützt die Leute vor dem Monatsende?
  9. Das ist kein Vorwurf. Keine Kritik.
  10. Das ist ein Gedanke. Ein kleiner Tick.
  1. „In fünf Jahren?“ Wo ich mich da seh?
  2. An diesem Tisch. Nur auf der anderen Seite.
  3. Das reimt sich nicht. Das tut mir weh.
  4. Ich meinte: Weiter. Ich meinte: Weite.
  5. Ich seh mich irgendwo, wo man mich braucht,
  6. wo einer fragt und keiner raucht –
  7. das war jetzt Unsinn. Streichen Sie das bitte.
  8. Ich bin ein guter Mensch. Ich bin die Mitte.

(Pause. Die Personalleiterin hebt den Blick.)

  1. „Noch Fragen an uns?“ Ja, nur eine kleine,
  2. die mich nicht loslässt, eine einzige, meine:
  3. Sie schreiben, seit ich rede, wirklich viel.
  4. Steht da „gereimt“? Ist das ein Ausschlussziel?

(Sie dreht ihren Block um. Darauf steht in großen Buchstaben ein einziges Wort. Vincent liest es.)

„Eingestellt.“ (Er starrt darauf, dann auf sie.) Danke. (Er steht auf, setzt sich wieder.) Ich sag jetzt lieber nichts mehr. Wo war noch mal der Kaffee?

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Die Reime sind Vincents Nervosität. Er merkt sie nicht oder kann sie nicht abstellen. Spiele die Situation ernst, dann wird der Vers komisch.
  • Achte auf das Metrum: vier Hebungen, Paarreime, freie Senkungen. Kleine Holperer gehören zur Figur.
  • Jede Frage ist ein neuer Anlauf. Gib den Fragen der Personalleiterin kleine Pausen, als würdest du sie hören.
  • Der Schluss bricht aus dem Reim aus. Die letzte Zeile ist Prosa und darf erleichtert klingen.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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