(Eine WG-Küche am Sonntagabend. Die Spülmaschine steht offen, halb voll, halb leer. Juna, dreiundzwanzig, steht mit einem Kochlöffel als Zeigestock davor. Am Tisch sitzen die drei anderen aus der WG.)
- Ich danke euch, dass ihr gekommen seid,
- die Lage ist ernst, es ist höchste Zeit.
- Hier steht sie, die Spülmaschine, offen und stumm,
- und keiner weiß, wer regiert, und warum.
- Ist sie gespült, oder ist sie verdreckt?
- Wer hat die Gabel zuletzt abgeleckt?
- Seit März gibt es hier keine Regierung mehr,
- der Plan an der Tür ist schon lange leer.
- Mein Vorschlag: Wir gründen ein Parlament,
- mit Ausschuss für Tabs und für Salz, getrennt.
- Wer einräumt, bekommt eine Stimme mehr,
- wer ausräumt, sogar zwei, das ist nur fair.
- Und wer nur die Pfanne ins Becken stellt,
- verliert seine Stimme, so ist die Welt.
- Ich weiß, es gab einen Putsch letzte Nacht,
- da hat jemand heimlich die Klappe zugemacht.
- Mit Tellern und Gläsern, gespült oder nicht,
- das steht jetzt im Raum wie ein schweres Gericht.
- Ich nenne hier keine Namen, Paul,
- doch du hast gelacht, und du bist auch faul.
- Die Opposition sitzt dort hinten und schweigt,
- bis jemand ihr endlich die Teller zeigt.
- Und nun zur Frage, die alles entscheidet,
- an der unsre WG seit Jahren leidet:
- Wer kauft die Tabs? Wer geht in den Laden?
- Wer trägt das Risiko, wer den Schaden?
- Ich stelle den Antrag, und zwar ganz konkret:
- Wer zuletzt einen Tab nimmt, der geht.
- Ich bitte um Handzeichen. Danke. Ihr drei.
- Der Antrag ist durch. Die Debatte vorbei.
(Juna greift nach der Packung mit den Tabs und öffnet sie. Die Packung ist leer. Lange Pause.)
- Der letzte Tab … das war meiner. Na klar.
- Ich geh dann mal einkaufen. Wunderbar.
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Ende des Textes

