Lumi: Kamera zwei

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Lumi: Du bist die Einzige, die mich die ganze Nacht ansieht.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 264 Wörter
Umfang
264 Wörterungekürzt
Figur
offen besetzbar
Spielalter
ca. 18–22redaktionelle Einschätzung
Tonlage
frechtragikomisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
Seite

(Ein Tankstellenshop bei Nacht. Kasse, ein Regal mit Chips, ein Kaffeeautomat. Lumi, zwanzig, sitzt auf einem Hocker hinter der Kasse, vor sich ein Skizzenbuch. Lumi sieht nach oben, zur Kamera.)

Na, Kamera zwei. Wieder wach? Ich weiß, du bist immer wach. Das ist dein Job. Kamera eins guckt auf die Zapfsäulen, die hat es besser, da passiert wenigstens was. Ein Fuchs, ein Lkw, einmal ein Mann im Bademantel, der Milch wollte.

Du guckst auf mich. Seit zwei Jahren. Du bist die Einzige, die mich die ganze Nacht ansieht. (Lumi hält das Skizzenbuch hoch.) Guck. Das bist du. Mit Wimpern. Hab ich dir gemalt, weil du sonst so streng aussiehst.

Ich muss dir was erzählen. Du bist ja verschwiegen. Du speicherst alles, aber nach dreißig Tagen wird es gelöscht, hat der Chef gesagt. Das ist perfekt. Ein Freund mit Gedächtnislücke.

(Lumi zieht einen Brief aus der Jackentasche.) Kunsthochschule Leipzig. Zusage. Buchkunst, mit Illustration. Ich hab mich beworben, mit den Zeichnungen hier, die ich nachts zwischen zwei und vier mache, wenn keiner tankt. Ich hab es niemandem gesagt. Ich dachte, die nehmen mich eh nicht.

Oma weiß nichts. Oma hat mich großgezogen, seit ich drei war. Oma hat zwei neue Knie und ein Herz, das manchmal stolpert. Oma sagt jeden Morgen, wenn ich nach Hause komme: Gut, dass du da bist, Kind. Jeden Morgen. (Pause.) Leipzig ist vierhundert Kilometer weg.

(Lumi steht auf, stellt sich vor die Kamera.)

Okay. Du bist jetzt Oma. Tut mir leid, du musst. (Lumi atmet ein.) Oma. Ich hab was gemacht, ohne dich zu fragen. (Pause.) Nein. (Noch einmal.) Oma, ich hab einen Studienplatz. In Leipzig. Ich will da hin. Und ich hab Angst, dass du dann allein bist, und ich hab Angst, dass ich hierbleibe und dich irgendwann dafür nicht mehr mag.

(Lumi sieht lange in die Kamera. Dann lacht Lumi, unsicher.) Hast du gesehen? Ich hab es gesagt. Und du hast nicht gezwinkert. (Lumi steckt den Brief ein.) Um sechs ist Schichtende. Dann sag ich es noch mal. Diesmal mit Knien.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Die Kamera ist ein ideales Gegenüber für ein Self-Tape: Du kannst direkt ins Objektiv sprechen.
  • Lumi redet mit der Kamera wie mit einer alten Bekannten, frech und vertraut. Der Ton wird erst ernst, wenn es um die Großmutter geht.
  • Die Probe des Gesprächs am Ende ist ein Spiel im Spiel. Lumi stellt sich die Großmutter vor; zeige den Wechsel deutlich und lass den Satz trotzdem zittern.
  • Die Figur ist offen angelegt. Name und Text funktionieren in jeder Besetzung.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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