(Eine Straße in Verona. Romeo, Mercutio und Benvolio mit Masken auf dem Weg zum Fest der Capulets. Romeo hat erzählt, ihm habe geträumt.)
- Nun seh’ ich wohl, Frau Mab hat euch besucht.
[…]
- Sie ist der Feenwelt Entbinderin.
- Sie kömmt, nicht größer als der Edelstein
- Am Zeigefinger eines Aldermanns,
- Und fährt mit einem Spann von Sonnenstäubchen
- Den Schlafenden quer auf der Nase hin.
- Die Speichen sind gemacht aus Spinnenbeinen,
- Des Wagens Deck’ aus eines Heupferds Flügeln,
- Aus feinem Spinngewebe das Geschirr,
- Die Zügel aus des Mondes feuchtem Strahl;
- Aus Heimchenknochen ist der Peitsche Griff,
- Die Schnur aus Fasern; eine kleine Mücke
- Im grauen Mantel sitzt als Fuhrmann vorn,
- Nicht halb so groß als wie ein kleines Würmchen,
- Das in des Mädchens müss’gem Finger nistet.
- Die Kutsch’ ist eine hohle Haselnuss,
- Vom Tischler Eichhorn oder Meister Wurm
- Zurecht gemacht, die seit uralten Zeiten
- Der Feen Wagner sind. In diesem Staat
- Trabt sie dann Nacht für Nacht; befährt das Hirn
- Verliebter, und sie träumen dann von Liebe;
- Des Schranzen Knie, der schnell von Reverenzen,
- Des Anwalts Finger, der von Sporteln gleich,
- Der Schönen Lippen, die von Küssen träumen
- (Oft plagt die böse Mab mit Bläschen diese,
- Weil ihren Odem Näscherei verdarb).
- Bald trabt sie über eines Hofrats Nase,
- Dann wittert er im Traum sich Ämter aus.
- Bald kitzelt sie mit eines Zinshahns Federn
- Des Pfarrers Nase, wenn er schlafend liegt:
- Von einer bessern Pfründe träumt ihm dann.
- Bald fährt sie über des Soldaten Nacken:
- Der träumt sofort von Niedersäbeln, träumt
- Von Breschen, Hinterhalten, Damaszenern,
- Von manchem klaftertiefen Ehrentrunk;
- Nun trommelt’s ihm ins Ohr; da fährt er auf,
- Und flucht in seinem Schreck ein paar Gebete,
- Und schläft von neuem. Eben diese Mab
- Verwirrt der Pferde Mähnen in der Nacht,
- Und flicht in strupp’ges Haar die Weichselzöpfe,
- Die, wiederum entwirrt, auf Unglück deuten.
- Dies ist die Hexe, welche Mädchen drückt,
- Die auf dem Rücken ruhn, und ihnen lehrt,
- Als Weiber einst die Männer zu ertragen.
- Dies ist sie –
[…]
- Wohl wahr, ich rede
- Von Träumen, Kindern eines müss’gen Hirns.
- Von nichts als eitler Phantasie erzeugt,
- Die aus so dünnem Stoff als Luft besteht,
- Und flücht’ger wechselt, als der Wind, der bald
- Um die erfrorne Brust des Nordens buhlt,
- Und schnell erzürnt, hinweg von dannen schnaubend,
- Die Stirn zum taubeträuften Süden kehrt.
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