(Juliens Kammer. Julia allein, das Fläschchen in der Hand.)
- Lebt wohl! – Gott weiß, wann wir uns wiedersehn.
- Kalt rieselt matter Schau’r durch meine Adern,
- Der fast die Lebenswärm’ erstarren macht.
- Ich will zurück sie rufen mir zum Trost. –
- Amme! – Doch was soll sie hier? –
- Mein düstres Spiel muss ich allein vollenden.
- Komm du, mein Kelch! –
- Doch wie? Wenn dieser Trank nun gar nichts wirkte,
- Wird man dem Grafen mit Gewalt mich geben?
- Nein, nein! dies soll’s verwehren. – Lieg du hier. –
(Sie legt einen Dolch neben sich.)
- Wie? Wär’ es Gift, das mir mit schlauer Kunst
- Der Mönch bereitet, mir den Tod zu bringen,
- Auf dass ihn diese Heirat nicht entehre,
- Weil er zuvor mich Romeo’n vermählt?
- So, fürcht’ ich, ist’s; doch dünkt mich, kann’s nicht sein,
- Denn er ward stets ein frommer Mann erfunden.
- Ich will nicht Raum so bösem Argwohn geben. –
- Wie aber, wenn ich, in die Gruft gelegt,
- Erwache vor der Zeit, da Romeo
- Mich zu erlösen kommt? Furchtbarer Fall!
- Werd’ ich dann nicht in dem Gewölb ersticken,
- Dess’ gift’ger Mund nie reine Lüfte einhaucht,
- Und so erwürgt da liegen, wann er kommt?
- Und leb ich auch, könnt es nicht leicht geschehn,
- Dass mich das grause Bild von Tod und Nacht,
- Zusammen mit den Schrecken jenes Ortes,
- Dort im Gewölb, in alter Katakombe,
- Wo die Gebeine aller meiner Ahnen
- Seit vielen hundert Jahren aufgehäuft,
- Wo frisch beerdigt erst der blut’ge Tybalt
- Im Leichentuch verwest; wo, wie man sagt,
- In mitternächt’ger Stunde Geister hausen –
- Weh, weh! Könnt es nicht leicht geschehn, dass ich,
- Zu früh erwachend – und nun ekler Dunst,
- Gekreisch wie von Alraunen, die man aufwühlt,
- Das Sterbliche, die’s hören, sinnlos macht –
- O, wach’ ich auf, werd’ ich nicht rasend werden,
- Umringt von all den greuelvollen Schrecken,
- Und toll mit meiner Väter Glieder spielen?
- Und Tybalt aus dem Leichentuche zerren?
- Und in der Wut, mit eines großen Ahnherrn
- Gebein, zerschlagen mein zerrüttet Hirn?
- O seht! Mich dünkt, ich sehe Tybalts Geist!
- Er späht nach Romeo, der seinen Leib
- Auf einen Degen spießte. – Weile, Tybalt! –
- Ich komme, Romeo! Dies trink’ ich dir!
(Sie wirft sich auf das Bett.)
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