(Eine Heide. Unwetter. Lear, von seinen Töchtern verstoßen, und sein Narr.)
- Blast, Wind’, und sprengt die Backen! Wütet, Blast! –
- Ihr Katarakt’ und Wolkenbrüche, speit,
- Bis ihr die Türm’ ersäuft, die Hähn’ ertränkt!
- Ihr schweflichten, gedankenschnellen Blitze,
- Vortrab dem Donnerkeil, der Eichen spaltet,
- Versengt mein weißes Haupt! Du Donner schmetternd,
- Schlag’ flach das mächt’ge Rund der Welt; zerbrich
- Die Formen der Natur, vernicht’ auf eins
- Den Schöpfungskeim des undankbaren Menschen!
[…]
- Rassle nach Herzenslust! Spei’, Feuer! Flute, Regen!
- Nicht Regen, Wind, Blitz, Donner sind meine Töchter:
- Euch schelt’ ich grausam nicht, ihr Elemente:
- Euch gab ich Kronen nicht, nannt’ euch nicht Kinder,
- Euch bindet kein Gehorsam; darum büßt
- Die grause Lust: Hier steh’ ich, euer Sklav’,
- Ein alter Mann, arm, elend, siech, verachtet:
- Und dennoch knecht’sche Helfer nenn’ ich euch,
- Die ihr im Bund mit zwei verruchten Töchtern
- Türmt eure hohen Schlachtreih’n auf ein Haupt
- So alt und weiß als dies. Oh, oh, ’s ist schändlich! –
[…]
- Nein! Ich will sein ein Muster aller Langmut,
- Ich will nichts sagen.
[…]
- Jetzt, große Götter,
- Die ihr so wild ob unsern Häuptern wettert,
- Sucht eure Feinde auf: Zittre, du Frevler,
- Auf dem verborgne Untat ruht, vom Richter
- Noch ungestraft! – Versteck’ dich, blut’ge Hand;
- Meineid’ger Schalk, und du, o Tugendheuchler,
- Der in Blutschande lebt! Zerscheitre, Sünder,
- Der unterm Mantel frommer Ehrbarkeit
- Mord stiftete! Ihr tief verschlossnen Greu’l,
- Sprengt den verhüll’nden Zwinger, fleht um Gnade
- Die grausen Mahner! – Ich bin ein Mann, an dem
- Man mehr gesündigt, als er sündigte.
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