(Argans Zimmer in Paris. Das Dienstmädchen Toinette hat sich als reisender Arzt verkleidet, um Argan seine Ärzte auszureden. Argans Bruder Beralde ist eingeweiht.)
Toinette
Mein Herr, ich bitte nochmals tausendmal um Vergebung.
Stichwort: „… ich bitte nochmals tausendmal um Vergebung.“
Argan (Leise zu Beralde.)
Es ist zum Erstaunen!
Stichwort: „Es ist zum Erstaunen!“
Toinette
Ihr werdet es hoffentlich nicht für ungut nehmen, dass ich neugierig war, einen so berühmten Kranken wie Ihr kennenzulernen; und Euer weitverbreiteter Ruf möge die Freiheit entschuldigen, die ich mir genommen habe.
Stichwort: „… entschuldigen, die ich mir genommen habe.“
Argan
Mein Herr, ich bin Euer Diener.
Stichwort: „Mein Herr, ich bin Euer Diener.“
Toinette
Ich sehe, mein Herr, dass Ihr mich scharf ins Auge fasst. Wie alt meint Ihr wohl, dass ich sei?
Stichwort: „… meint Ihr wohl, dass ich sei?“
Argan
Ich sollte meinen, Ihr könntet höchstens sechsundzwanzig oder siebenundzwanzig Jahr alt sein.
Stichwort: „… sechsundzwanzig oder siebenundzwanzig Jahr alt sein.“
Toinette
Hahahahaha! – Neunzig Jahr bin ich alt.
Stichwort: „… – Neunzig Jahr bin ich alt.“
Argan
Neunzig?
Stichwort: „Neunzig?“
Toinette
Ja. Das ist die Wirkung der Geheimnisse meiner Kunst, mich so frisch und kräftig zu erhalten.
Stichwort: „… so frisch und kräftig zu erhalten.“
Argan
Auf Ehre, das nenne ich einen hübschen jungen Greis für neunzig Jahre!
Stichwort: „… hübschen jungen Greis für neunzig Jahre!“
Toinette
Ich bin ein reisender Arzt, der von Stadt zu Stadt, von Provinz zu Provinz, von einem Königreich ins andere zieht, um Patienten aufzusuchen, die meiner Sorgfalt würdig sind, und an denen es der Mühe wert ist, die großen und schönen Geheimnisse zu verwenden, die ich in der Arzneikunst entdeckt habe. Ich verschmähe es, mich mit dem kleinen Gesindel der alltäglichen Zufälle zu befassen, mit dem winzigen Geschmeiß von Rheumatismen und Flüssen, mit kleinen Fieberchen, Nervenleiden und Kopfschmerzen. Ich will nachhaltige, solide Krankheiten; schwere, gut anhaltende Fieber mit Gehirnentzündungen; gute Scharlachfieber, gute Pesten, gute ausgebildete Wassersuchten, gutes Seitenstechen mit Brustinflammationen, das ist mein Element, in dem ich mich wohl fühle, da finde ich meine Triumphe, und ich wünschte, mein Herr, Ihr hättet alle die Krankheiten, die ich eben nannte, Ihr wäret von allen Ärzten aufgegeben und lägt ohne Hoffnung in den letzten Zügen, um Euch die Vortrefflichkeit meiner Mittel zu beweisen und Euch zu zeigen, wie gern ich Euch zu Dienst stehen möchte.
Stichwort: „… ich Euch zu Dienst stehen möchte.“
Argan
Ich danke Euch, mein Herr, für Eure große Güte.
Stichwort: „… mein Herr, für Eure große Güte.“
Toinette
Gebt mir doch ein wenig Euern Puls. – Höre, dass du mir schlägst, wie sich’s gehört; warte nur, ich will dir schon beibringen, dass du mir gehst, wie du sollst. Ei Sapperment, der Puls da macht sich sehr unnütz; ich sehe schon, mein Freund, du kennst mich noch nicht. – Wer ist denn Euer Arzt?
Stichwort: „… – Wer ist denn Euer Arzt?“
Argan
Herr Purgon.
Stichwort: „Herr Purgon.“
Toinette
Der Name steht nicht in meinem Notizbuch unter den großen Ärzten eingetragen. Woran, sagt er denn, dass Ihr krank wäret?
Stichwort: „… er denn, dass Ihr krank wäret?“
Argan
Er sagt mir, es sei ein Leberleiden; andere sprechen, es käme aus der Milz.
Stichwort: „… sprechen, es käme aus der Milz.“
Toinette
Dummes Zeug! – An der Lunge seid Ihr krank.
Stichwort: „… An der Lunge seid Ihr krank.“
Argan
An der Lunge?
Stichwort: „An der Lunge?“
Toinette
Ja. Was fühlt Ihr?
Stichwort: „Ja. Was fühlt Ihr?“
Argan
Ich fühle von Zeit zu Zeit Kopfschmerzen.
Stichwort: „… fühle von Zeit zu Zeit Kopfschmerzen.“
Toinette
Ganz recht, die Lunge.
Stichwort: „Ganz recht, die Lunge.“
Argan
Mir ist mitunter, als hätte ich einen Flor vor den Augen.
Stichwort: „… ich einen Flor vor den Augen.“
Toinette
Die Lunge.
Stichwort: „Die Lunge.“
Argan
Zuweilen wird mir übel.
Stichwort: „Zuweilen wird mir übel.“
Toinette
Die Lunge.
Stichwort: „Die Lunge.“
Argan
Ich fühle mitunter eine Müdigkeit in allen Gliedern.
Stichwort: „… mitunter eine Müdigkeit in allen Gliedern.“
Toinette
Die Lunge.
Stichwort: „Die Lunge.“
Argan
Und zuweilen sticht mir’s im Leibe, als hätte ich die Kolik.
Stichwort: „… Leibe, als hätte ich die Kolik.“
Toinette
Die Lunge. – Ihr habt Appetit, wenn Ihr esst?
Stichwort: „… Ihr habt Appetit, wenn Ihr esst?“
Argan
Ja, Herr Doktor.
Stichwort: „Ja, Herr Doktor.“
Toinette
Die Lunge. Ihr trinkt gern ein wenig Wein?
Stichwort: „… Ihr trinkt gern ein wenig Wein?“
Argan
Ja, Herr Doktor.
Stichwort: „Ja, Herr Doktor.“
Toinette
Die Lunge. Nach Tisch habt Ihr eine kleine Anwandlung von Müdigkeit und wollt gern schlafen?
Stichwort: „… von Müdigkeit und wollt gern schlafen?“
Argan
Ja, Herr Doktor.
Stichwort: „Ja, Herr Doktor.“
Toinette
Alles die Lunge, sage ich; alles die Lunge. Was für eine Diät verordnet Euch denn Euer Arzt?
Stichwort: „… Diät verordnet Euch denn Euer Arzt?“
Argan
Er verordnet Suppe mit Brotschnitten –
Stichwort: „Er verordnet Suppe mit Brotschnitten –“
Toinette
Ignorant!
Stichwort: „Ignorant!“
Argan
Geflügel –
Stichwort: „Geflügel –“
Toinette
Ignorant!
Stichwort: „Ignorant!“
Argan
Kalbfleisch –
Stichwort: „Kalbfleisch –“
Toinette
Ignorant!
Stichwort: „Ignorant!“
Argan
Fleischbrühe –
Stichwort: „Fleischbrühe –“
Toinette
Ignorant!
Stichwort: „Ignorant!“
Argan
Frische Eier –
Stichwort: „Frische Eier –“
Toinette
Ignorant!
Stichwort: „Ignorant!“
Argan
Abends gekochte Prünellen, um den Leib frei zu erhalten –
Stichwort: „… den Leib frei zu erhalten –“
Toinette
Ignorant!
Stichwort: „Ignorant!“
Argan
Und vor allen Dingen viel Wasser in meinem Wein.
Stichwort: „… Dingen viel Wasser in meinem Wein.“
Toinette
Ignorantus, ignoranta, ignorantum. Ihr müsst Euren Wein ohne Wasser trinken; und um Euer Blut zu heben – denn Ihr habt viel zu wenig Blut – müsst Ihr gutes derbes Rindfleisch essen – gutes derbes Schweinefleisch – guten holländischen Käse, Grütze und Reis, Kastanien und Oblaten essen, kurz etwas, was da klebt und zusammenkleistert. Euer Arzt ist ein Dummkopf; ich will Euch einen von meinen jungen Leuten schicken und werde von Zeit zu Zeit bei Euch vorsprechen, solange ich mich hier aufhalte.
Stichwort: „… vorsprechen, solange ich mich hier aufhalte.“
Argan
Ich werde Euch sehr verbunden sein.
Stichwort: „Ich werde Euch sehr verbunden sein.“
Toinette
Was zum Henker macht Ihr eigentlich mit diesem Arm da?
Stichwort: „… Ihr eigentlich mit diesem Arm da?“
Argan
Wie meint Ihr?
Stichwort: „Wie meint Ihr?“
Toinette
Wenn ich wäre wie Ihr, den Arm ließe ich mir auf der Stelle abnehmen.
Stichwort: „… ich mir auf der Stelle abnehmen.“
Argan
Und warum?
Stichwort: „Und warum?“
Toinette
Seht Ihr denn nicht, dass er alle Nahrung an sich zieht und die andere Seite hindert, zuzunehmen?
Stichwort: „… und die andere Seite hindert, zuzunehmen?“
Argan
Ja, ich kann aber doch meinen Arm nicht missen!
Stichwort: „… aber doch meinen Arm nicht missen!“
Toinette
Ihr habt da auch ein rechtes Auge; das müsste mir heraus, wenn ich an Eurer Stelle wäre.
Stichwort: „… wenn ich an Eurer Stelle wäre.“
Argan
Ich sollte ein Auge hergeben?
Stichwort: „Ich sollte ein Auge hergeben?“
Toinette
Seht Ihr denn nicht, dass es dem andern Abbruch tut und ihm seine Nahrung raubt? – Glaubt mir, lasst es Euch je eher je lieber ausstechen; Ihr werdet um so viel besser mit dem linken sehen.
Stichwort: „… viel besser mit dem linken sehen.“
Argan
Nun, das eilt wenigstens nicht.
Stichwort: „Nun, das eilt wenigstens nicht.“
Toinette
Lebt wohl. Es tut mir leid, Euch so bald zu verlassen; aber ich werde bei einer großen Konsultation erwartet, die wir wegen eines Kranken halten, der gestern gestorben ist.
Stichwort: „… Kranken halten, der gestern gestorben ist.“
Argan
Wegen eines Kranken, der gestern gestorben ist?
Stichwort: „… eines Kranken, der gestern gestorben ist?“
Toinette
Ja, um sich darüber einig zu werden und ausfindig zu machen, was hätte geschehen müssen, um ihn herzustellen. Auf Wiedersehen.
Stichwort: „… müssen, um ihn herzustellen. Auf Wiedersehen.“
Argan
Ihr wisst, dass die Kranken das Geleit nicht geben.
Stichwort: „… die Kranken das Geleit nicht geben.“
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