(Athen. Hermia und Lysander sind gegangen; sie wollen morgen Nacht gemeinsam fliehen. Helena bleibt allein.)
- Wie kann das Glück so wunderlich doch schalten!
- Ich werde für so schön wie sie gehalten.
- Was hilft es mir, solang’ Demetrius
- Nicht wissen will, was jeder wissen muss?
- Wie Wahn ihn zwingt, an Hermias Blick zu hangen,
- Vergöttr’ ich ihn, von gleichem Wahn befangen.
- Dem schlechtsten Ding an Art und an Gehalt
- Leiht Liebe dennoch Ansehn und Gestalt.
- Sie sieht mit dem Gemüt, nicht mit den Augen,
- Und ihr Gemüt kann nie zum Urteil taugen.
- Drum nennt man ja den Gott der Liebe blind.
- Auch malt man ihn geflügelt und als Kind,
- Weil er, von Spiel zu Spielen fortgezogen,
- In seiner Wahl so häufig wird betrogen.
- Wie Buben oft im Scherze lügen, so
- Ist auch Cupido falscher Schwüre froh.
- Eh’ Hermia meinen Liebsten musst’ entführen,
- Ergoss er mir sein Herz in tausend Schwüren;
- Doch, kaum erwärmt von jener neuen Glut,
- Verrann, versiegte diese wilde Flut.
- Jetzt geh’ ich, Hermias Flucht ihm mitzuteilen!
- Er wird ihr nach zum Walde morgen eilen.
- Zwar, wenn er Dank für den Bericht mir weiß,
- So kauf’ ich ihn um einen teuren Preis.
- Doch will ich, mich für meine Müh’ zu laben,
- Hin und zurück des Holden Anblick haben.
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