(Die Fahrzeughalle einer Rettungswache, kurz vor vier Uhr morgens. Deniz wischt die Trage des Rettungswagens mit Desinfektionstüchern ab. Auf der Stufe des Wagens sitzt der Auszubildende, die Hände zwischen den Knien.)
Erst die Griffe. Dann die Gurte. Dann die Matratze, oben und an den Seiten. Die Tücher liegen im zweiten Fach links. Du kannst ruhig sitzen bleiben, ich mach das heute. Morgen machst du das.
Die Schublade mit den Elektroden ist leer. Schreib das auf den Zettel. Und den Beatmungsbeutel. Und Handschuhe in M, du hast die letzten genommen. Das war richtig so. Ich sag das nur, damit sie auf der Liste stehen.
(Deniz hält kurz inne und wischt dann weiter.)
Zweiundvierzig Minuten. Das ist lang. Das machen wir, solange wir glauben, dass noch was geht. Bei ihm ging nichts mehr. Das wusste ich nach zehn Minuten, und ich hab trotzdem weitergemacht, weil seine Frau in der Tür stand. Sie sollte sehen, dass wir alles versucht haben. Das gehört dazu. Das steht in keinem Lehrbuch.
Du hast gedrückt wie ein Uhrwerk. Gleichmäßig, tief genug, keine Pause zu viel. Ich hab dich angeguckt und gedacht: Der hat das wirklich gelernt.
(Pause.)
Mein Erster war ein alter Mann im Schrebergarten. Ich war neunzehn. Ich hab auf der ganzen Rückfahrt das Radio laut gemacht, damit keiner merkt, dass ich heule. Mein Praxisanleiter hat es trotzdem gemerkt. Er hat nichts gesagt. Er hat das Radio noch lauter gedreht.
Ich mach das Radio heute nicht an. Du sollst nicht glauben, dass man das verstecken muss.
Das, was du jetzt im Bauch hast – das bleibt nicht so. Es geht aber auch nicht ganz weg. Es wird so was wie ein Stein in der Jackentasche. Man trägt ihn mit, und irgendwann vergisst man manchmal, dass er da ist.
(Der Funkmelder an Deniz’ Gürtel piept. Deniz liest und legt das Tuch weg.)
Atemnot, Altenheim am Stadtpark. (Pause.) Kannst du? (Wartet.) Gut. Du sitzt hinten. Ich fahr.
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
Ende des Textes

