Rosalinde: „Verkauft Euch bald, Ihr seid nicht jedes Kauf“

Monolog · Renaissance & Shakespeare · Blankvers (Übersetzung Schlegel)

Rosalinde (als Ganymed): Verkauft Euch bald, Ihr seid nicht jedes Kauf.

aus Wie es euch gefällt (1599) von William Shakespeare · III. Aufzug, 5. Szene

Originaltext · Wie es euch gefällt, William Shakespeare (1599)Ausschnitt
Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 219 Wörter
Umfang
29 VerseAusschnitt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 16–30redaktionelle Einschätzung
Tonlage
überlegenkomisch
Sprache
Blankvers (Übersetzung Schlegel)behutsam modernisiert
PDF-Optionen

(Im Ardenner Wald. Rosalinde, als junger Mann Ganymed verkleidet, hat mit ihrer Cousine Celia beobachtet, wie die Schäferin Phöbe ihren Verehrer Silvius abweist und verspottet.)

(Tritt vor.)

  1. Warum? ich bitt’ Euch? – Wer war Eure Mutter,
  2. Dass Ihr den Unglücksel’gen kränkt und höhnt,
  3. Und was nicht alles? Hättet Ihr mehr Schönheit
  4. (Wie ich doch wahrlich mehr an Euch nicht sehe,
  5. Als ohne Licht im Finstern geht zu Bett),
  6. Müsst Ihr deswegen stolz und fühllos sein?
  7. Was heißt das? Warum blickt Ihr so mich an?
  8. Ich seh’ nicht mehr an Euch, als die Natur
  9. Auf Kauf zu machen pflegt. So wahr ich lebe!
  10. Sie will auch meine Augen wohl betören?
  11. Nein, wirklich, stolze Dame! hofft das nicht!
  12. Nicht Euer Rabenhaar, kohlschwarze Brauen,
  13. Glaskugelaugen, noch die Milchrahmwange,
  14. Kann mich zu Euer Gnaden Sklaven machen. –
  15. O blöder Schäfer, warum folgt Ihr ihr
  16. Wie feuchter Süd, von Wind und Regen schwellend?
  17. Ihr seid ja tausendfach ein hübschrer Mann
  18. Als sie ein Weib. Dergleichen Toren füllen
  19. Die Welt mit eigensinn’gen Kindern an.
  20. Der Spiegel nicht, Ihr seid es, der ihr schmeichelt:
  21. Sie sieht in Euch sich hübscher abgespiegelt,
  22. Als ihre Züge sie erscheinen lassen.
  23. Doch, Fräulein, kennt Euch selbst, fallt auf die Knie,
  24. Dankt Gott mit Fasten für ’nen guten Mann;
  25. Denn als ein Freund muss ich ins Ohr Euch sagen:
  26. Verkauft Euch bald, Ihr seid nicht jedes Kauf.
  27. Liebt diesen Mann! Fleht ihm als Eurem Retter!
  28. Am hässlichsten ist Hässlichkeit am Spötter. –
  29. So nimm sie zu dir, Schäfer! Lebt denn wohl!

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Spielhinweise

  • Rosalinde spielt einen Mann, eine Hosenrolle. Sie genießt die Rolle des überlegenen Jünglings.
  • Mitten in der Rede merkt sie: „Sie will auch meine Augen wohl betören?“ Hier kippt die Szene ins Komische; nimm dir den Moment.
  • Die Beleidigungen („Glaskugelaugen“, „Milchrahmwange“) sind Spiel, keine Bosheit. Rosalinde will helfen, nicht verletzen (vgl. Status).
  • Die gereimten Schlussverse sind ein Abgang mit Pointe.

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