Phöbe: „Denk’ nicht, ich lieb’ ihn“

Monolog · Renaissance & Shakespeare · Blankvers (Übersetzung Schlegel)

Phöbe: Es war ein lieblich Rot auf seinen Lippen

aus Wie es euch gefällt (1599) von William Shakespeare · III. Aufzug, 5. Szene (Schluss)

Originaltext · Wie es euch gefällt, William Shakespeare (1599)Ausschnitt
Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 221 Wörter
Umfang
27 VerseAusschnitt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 16–30redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verliebtkomisch
Sprache
Blankvers (Übersetzung Schlegel)behutsam modernisiert
PDF-Optionen

(Im Ardenner Wald. Ganymed, ein junger Mann, hat Phöbe eben vor ihrem Verehrer Silvius ausgescholten und ist gegangen. Phöbe hat Silvius gefragt, ob er den jungen Mann kenne.)

  1. Denk’ nicht, ich lieb’ ihn, weil ich nach ihm frage.
  2. ’s ist nur ein kecker Bursch’ – doch spricht er gut;
  3. Frag’ ich nach Worten? – Doch tun Worte gut,
  4. Wenn, der sie spricht, dem, der sie hört, gefällt.
  5. Es ist ein hübscher Junge, – nicht gar hübsch;
  6. Doch wahrlich, er ist stolz, – zwar steht sein Stolz ihm:
  7. Er wird einmal ein feiner Mann. Das Beste
  8. Ist sein Gesicht, und schneller als die Zunge
  9. Verwundete, heilt’ es sein Auge wieder.
  10. Er ist nicht eben groß, doch für sein Alter groß:
  11. Sein Bein ist nur so so, doch macht sich’s gut;
  12. Es war ein lieblich Rot auf seinen Lippen,
  13. Ein etwas reiferes und stärkres Rot
  14. Als auf den Wangen: just der Unterschied
  15. Wie zwischen dunkeln und gesprengten Rosen.
  16. Es gibt der Weiber, Silvius, hätten sie
  17. Ihn Stück für Stück betrachtet, so wie ich,
  18. Sie hätten sich verliebt; ich, für mein Teil,
  19. Ich lieb’ ihn nicht, noch hass’ ich ihn, und doch
  20. Hätt’ ich mehr Grund zu hassen als zu lieben.
  21. Denn was hatt’ er für Recht, mich auszuschelten?
  22. Er sprach, mein Haar sei schwarz, mein Auge schwarz,
  23. Und, wie ich mich entsinne, höhnte mich.
  24. Mich wundert’s, dass ich ihm nicht Antwort gab.
  25. Schon gut! Verschoben ist nicht aufgehoben;
  26. Ich will ihm einen Brief voll Spottes schreiben,
  27. Du sollst ihn zu ihm tragen: Willst du, Silvius?

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Jeder Satz beginnt als Tadel und endet als Schwärmerei. Diesen Umschwung musst du jedes Mal neu entdecken.
  • Silvius ist da und leidet. Phöbe benutzt ihn als Zuhörer und am Ende als Boten; die Komik liegt auch in ihrer Rücksichtslosigkeit (vgl. Status).
  • Die Verse sind leicht und gesprächig. Halte den Gedanken über das Versende hinaus (vgl. Verssprechen).
  • Der Brief „voll Spottes“ ist ein Liebesbrief. Das darf das Publikum merken, Phöbe nicht.

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Vorsprech-Set

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