(Im Ardenner Wald. Ganymed, ein junger Mann, hat Phöbe eben vor ihrem Verehrer Silvius ausgescholten und ist gegangen. Phöbe hat Silvius gefragt, ob er den jungen Mann kenne.)
- Denk’ nicht, ich lieb’ ihn, weil ich nach ihm frage.
- ’s ist nur ein kecker Bursch’ – doch spricht er gut;
- Frag’ ich nach Worten? – Doch tun Worte gut,
- Wenn, der sie spricht, dem, der sie hört, gefällt.
- Es ist ein hübscher Junge, – nicht gar hübsch;
- Doch wahrlich, er ist stolz, – zwar steht sein Stolz ihm:
- Er wird einmal ein feiner Mann. Das Beste
- Ist sein Gesicht, und schneller als die Zunge
- Verwundete, heilt’ es sein Auge wieder.
- Er ist nicht eben groß, doch für sein Alter groß:
- Sein Bein ist nur so so, doch macht sich’s gut;
- Es war ein lieblich Rot auf seinen Lippen,
- Ein etwas reiferes und stärkres Rot
- Als auf den Wangen: just der Unterschied
- Wie zwischen dunkeln und gesprengten Rosen.
- Es gibt der Weiber, Silvius, hätten sie
- Ihn Stück für Stück betrachtet, so wie ich,
- Sie hätten sich verliebt; ich, für mein Teil,
- Ich lieb’ ihn nicht, noch hass’ ich ihn, und doch
- Hätt’ ich mehr Grund zu hassen als zu lieben.
- Denn was hatt’ er für Recht, mich auszuschelten?
- Er sprach, mein Haar sei schwarz, mein Auge schwarz,
- Und, wie ich mich entsinne, höhnte mich.
- Mich wundert’s, dass ich ihm nicht Antwort gab.
- Schon gut! Verschoben ist nicht aufgehoben;
- Ich will ihm einen Brief voll Spottes schreiben,
- Du sollst ihn zu ihm tragen: Willst du, Silvius?
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