(Eine Straße.)
Es ist doch was wie Ernst daran. Ich will einmal nachdenken. Ich fange an, so was zu begreifen. Sterben — Sterben — ! — Es darf ja Alles leben, Alles, die kleine Mücke da, der Vogel. Warum denn er nicht? Der Strom des Lebens müsste stocken, wenn nur der eine Tropfen verschüttet würde. Die Erde müsste eine Wunde bekommen von dem Streich. — Es regt sich Alles, die Uhren gehen, die Glocken schlagen, die Leute laufen, das Wasser rinnt, und so Alles weiter bis da, dahin! — Nein, es darf nicht geschehen, nein, ich will mich auf den Boden setzen und schreien, dass erschrocken Alles stockt, sich nichts mehr reget. (Sie setzt sich nieder, verhüllt sich die Augen und stößt einen Schrei aus. Nach einer Pause erhebt sie sich) Das hilft nichts, das ist noch Alles wie sonst, die Häuser, die Gasse, der Wind geht, die Wolken ziehen. Wir müssen’s wohl leiden.
(Einige Weiber kommen die Gasse herunter.)
[…]
Mein Camille! Wo soll ich dich jetzt suchen?
[…]
(Tritt auf und setzt sich auf die Stufen der Guillotine.)
Ich setze mich auf deinen Schoß, du stiller Todesengel.
(Sie singt.)
- Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
- Hat Gewalt vom höchsten Gott.
Du liebe Wiege, die du meinen Camille in Schlaf gelullt, ihn unter deinen Rosen erstickt hast. Du Totenglocke, die du ihn mit deiner süßen Zunge zu Grabe sangst.
(Sie singt.)
- Viel hunderttausend sind ungezählt,
- Was nur unter die Sichel fällt.
(Eine Patrouille tritt auf.)
[…]
(Sinnend und wie ein Entschluss fassend, plötzlich.)
Es lebe der König!
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