(Ein Zimmer im Schlosse. Der König allein.)
- O meine Tat ist faul, sie stinkt zum Himmel,
- Sie trägt den ersten, ältesten der Flüche,
- Mord eines Bruders! – Beten kann ich nicht,
- Ist gleich die Neigung dringend wie der Wille:
- Die stärkre Schuld besiegt den starken Vorsatz,
- Und wie ein Mann, dem zwei Geschäft’ obliegen,
- Steh’ ich in Zweifel, was ich erst soll tun,
- Und lasse beides. Wie? wär’ diese Hand
- Auch um und um in Bruderblut getaucht:
- Gibt es nicht Regen gnug im milden Himmel,
- Sie weiß wie Schnee zu waschen? Wozu dient
- Die Gnad’, als vor der Sünde Stirn zu treten?
- Und hat Gebet nicht die zwiefache Kraft
- Dem Falle vorzubeugen und Verzeihung
- Gefall’nen auszuwirken? Gut, ich will
- Emporschaun: mein Verbrechen ist geschehn.
- Doch o, welch eine Wendung des Gebets
- Ziemt meinem Fall? Vergib mir meinen schnöden Mord?
- Dies kann nicht sein; mir bleibt ja stets noch alles,
- Was mich zum Mord getrieben: meine Krone,
- Mein eigner Ehrgeiz, meine Königin.
- Wird da verziehn, wo Missetat besteht?
- In den verderbten Strömen dieser Welt
- Kann die vergold’te Hand der Missetat
- Das Recht wegstoßen, und ein schnöder Beutel
- Erkauft oft das Gesetz. Nicht so dort oben!
- Da gilt kein Kunstgriff, da erscheint die Handlung
- In ihrer wahren Art, und wir sind selbst
- Genötigt, unsern Fehlern in die Zähne
- Ein Zeugnis abzulegen. Nun? was bleibt?
- Sehn, was die Reue kann. Was kann sie nicht?
- Doch wenn man nicht bereuen kann, was kann sie?
- O Jammerstand? O Busen, schwarz wie Tod!
- O Seele, die sich frei zu machen ringend,
- Noch mehr verstrickt wird. – Engel, helft! versucht!
- Beugt euch, ihr starren Knie’! gestähltes Herz,
- Sei weich wie Sehnen neugeborner Kinder!
- Vielleicht wird alles gut. (Kniet vorn auf der Bühne nieder)
(Hamlet kommt von hinten mit gezogenem Schwert.)
[…]
- Die Worte fliegen auf, der Sinn hat keine Schwingen:
- Wort’ ohne Sinn kann nicht zum Himmel dringen. (Ab)
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