Fräulein Else: „Das war ein ganz guter Abgang.“

Monolog · Weimarer Republik · Prosa, innerer Monolog

Else: Das war ein ganz guter Abgang.

aus Fräulein Else (1924) von Arthur Schnitzler · Anfang der Novelle

Originaltext · Fräulein Else, Arthur Schnitzler (1924)Ausschnitt
Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 368 Wörter
Umfang
368 WörterAusschnitt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 18–24redaktionelle Einschätzung
Tonlage
spöttischleise & nachdenklich
Sprache
Prosa, innerer Monologbehutsam modernisiert
PDF-Optionen

(San Martino di Castrozza, vor dem Hotel. Else hat das Tennisspiel abgebrochen und geht allein zum Haus zurück.)

Das war ein ganz guter Abgang. Hoffentlich glauben die Zwei nicht, dass ich eifersüchtig bin. – Dass sie was miteinander haben, Cousin Paul und Cissy Mohr, darauf schwör’ ich. Nichts auf der Welt ist mir gleichgültiger. – Nun wende ich mich noch einmal um und winke ihnen zu. Winke und lächle. Sehe ich nun gnädig aus? – Ach Gott, sie spielen schon wieder. Eigentlich spiele ich besser als Cissy Mohr; und Paul ist auch nicht gerade ein Matador. Aber gut sieht er aus – mit dem offenen Kragen und dem Bösen-Jungen-Gesicht. Wenn er nur weniger affektiert wäre. Brauchst keine Angst zu haben, Tante Emma ...

Was für ein wundervoller Abend! Heut’ wär’ das richtige Wetter gewesen für die Tour auf die Rosetta-Hütte. Wie herrlich der Cimone in den Himmel ragt! – Um fünf Uhr früh war’ man aufgebrochen. Anfangs wär’ mir natürlich übel gewesen, wie gewöhnlich. Aber das verliert sich. – Nichts köstlicher als das Wandern im Morgengrauen. – Der einäugige Amerikaner auf der Rosetta hat ausgesehen wie ein Boxkämpfer. Vielleicht hat ihn beim Boxen wer das Aug’ ausgeschlagen. Nach Amerika würd’ ich ganz gern heiraten, aber keinen Amerikaner. Oder ich heirat’ einen Amerikaner und wir leben in Europa. Villa an der Riviera. Marmorstufen ins Meer. Ich liege nackt auf dem Marmor. – Wie lang ist’s her, dass wir in Mentone waren? Sieben oder acht Jahre. Ich war dreizehn oder vierzehn. Ach ja, damals waren wir noch in besseren Verhältnissen. – Es war eigentlich ein Unsinn die Partie aufzuschieben. Jetzt wären wir jedenfalls schon zurück. – Um vier, wie ich zum Tennis gegangen bin, war der telegraphisch angekündigte Expressbrief von Mama noch nicht da. Wer weiß, ob jetzt. Ich hätt’ noch ganz gut ein Set spielen können. – Warum grüßen mich diese zwei jungen Leute? Ich kenn’ sie gar nicht. Seit gestern wohnen sie im Hotel, sitzen beim Essen links am Fenster, wo früher die Holländer gesessen sind. Hab’ ich ungnädig gedankt? Oder gar hochmütig? Ich bin’s ja gar nicht. Wie sagte Fred auf dem Weg vom ›Coriolan‹ nach Hause? Frohgemut. Nein, hochgemut. Hochgemut sind Sie, nicht hochmütig, Else. – Ein schönes Wort. Er findet immer schöne Worte. – Warum geh’ ich so langsam? Furcht’ ich mich am Ende vor Mamas Brief? Nun, Angenehmes wird er wohl nicht enthalten.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Else beobachtet sich ständig selbst („Sehe ich nun gnädig aus?“). Spiele die doppelte Ebene: was sie zeigt und was sie denkt.
  • Die Tagträume sind leicht und schnell; der Gedanke an den Brief kehrt immer wieder zurück. Lass die Unruhe unter der Leichtigkeit wachsen.
  • Der Text eignet sich gut für die Kamera. Kleine Reaktionen im Gesicht genügen; vgl. Kameraarbeit und innerer Monolog.
  • Der Auszug endet mit der Ahnung, dass der Brief nichts Angenehmes enthält. Halte diesen Schluss offen.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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