Truffaldino: „Ich bin ein geschickter Kerl!“

Monolog · Aufklärung · Prosa (deutsche Übersetzung 1771)

Truffaldino: Ha, ich bin ein geschickter Kerl, eine Sache recht gescheit zu machen!

aus Der Diener zweier Herren (1745) von Carlo Goldoni · I. Akt, 14. Auftritt

Originaltext · Der Diener zweier Herren, Carlo Goldoni (1745)ungekürzt
Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 183 Wörter
Umfang
183 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 18–50redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verschmitztkomisch
Sprache
Prosa (deutsche Übersetzung 1771)behutsam modernisiert
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(Eine Straße in Venedig vor dem Gasthof. Truffaldino dient heimlich zwei Herren zugleich. Eben hat sein einer Herr, Florindo, einen Brief geöffnet, den Truffaldino auf der Post für seinen anderen Herrn abgeholt und mit den übrigen Briefen verwechselt hatte. Florindo ist gegangen; Truffaldino steht mit dem offenen Brief da. Ein Träger wartet mit einem Koffer an der Ecke.)

Es ist mir recht von Herzen lieb, dass er noch nicht aus Venedig geht. Ich will nur gern sehen, wie es mit meinen beiden Bedienungen ablaufen wird. Ich will meine ganze Geschicklichkeit auf die Probe stellen. Es tut mir nur leid, dass ich diesen Brief an meinen andern Herrn, so erbrochen bringen muss. Vielleicht kann ich ihn wieder zusammenlegen. (Er legt den Brief sehr unordentlich wieder zusammen.) Nun sollte ich ihn auch zusiegeln. Wenn ich nur wüsste, wie ich es machte! Halt, nun besinne ich mich. Ich habe gesehen, dass meine Großmutter ihre Briefe immer mit gekauetem Brote zusiegelte. Ich muss es doch auch versuchen. (Er zieht ein Stückchen Brot aus der Tasche.) Es dauert mich, dass ich das Stückchen Brot dazu nehmen soll; aber wer kann sich helfen? (Er kauet ein bisschen Brot, um den Brief damit zuzusiegeln; er verschluckt es aber wider seinen Willen.) O, der Teufel! Hinunter war es. Ich muss ein anderes kauen. (Er verschluckt es, wie oben.) Es hilft nichts; die Natur will es nicht zugeben. Ich muss noch ein Stückchen versuchen. (Er kauet, wie oben, und will es wieder verschlucken; er hält aber an sich und holt es, mit großer Mühe, wieder aus dem Munde.) Nun kam es. Damit will ich den Brief zusiegeln. (Er siegelt ihn damit zu.) Ich denke, so wird es gut sein. Ha, ich bin ein geschickter Kerl, eine Sache recht gescheit zu machen! Ach, ich habe den Träger ganz und gar vergessen. Kamerad, kommt her; bringet den Koffer mit.

(Nach der Szene zu.)

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Spielhinweise

  • Die Szene ist ein Lazzo aus der Commedia dell’arte: Das Brot verschwindet zweimal im Mund, bevor es beim dritten Mal klappt. Spiel jeden Versuch mit echter Absicht.
  • Brot und Brief sind deine Requisiten. Probe mit echtem Brot, damit Kauen und Schlucken stimmen.
  • Truffaldino kämpft mit seinem Hunger. „Die Natur will es nicht zugeben“ ist ein ehrlicher Satz, kein Witz.
  • Das Selbstlob am Ende ist die Pointe: Der Brief ist schlecht verschlossen, Truffaldino ist trotzdem stolz.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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