(Eine Straße. Malvolio hat Viola, die als Page Cesario verkleidet ist, einen Ring nachgetragen und ist gegangen.)
- Ich ließ ihr keinen Ring: was meint dies Fräulein?
- Verhüte, dass mein Schein sie nicht betört!
- Sie fasst’ ins Auge mich; fürwahr so sehr,
- Als ließ sie ganz die Zunge aus den Augen.
- Sie sprach verwirrt in abgebrochnen Reden.
- Sie liebt mich, ja! Die Schlauheit ihrer Neigung
- Lädt mich durch diesen mürr’schen Boten ein.
- Der Ring von meinem Herrn? – Er schickt’ ihr keinen:
- Ich bin der Mann. – Wenn dem so ist, so täte
- Die Arme besser, einen Traum zu lieben.
- Verkleidung! Du bist eine Schalkheit, seh’ ich,
- Worin der list’ge Feind gar mächtig ist.
- Wie leicht wird’s hübschen Gleisnern nicht, ihr Bild
- Der Weiber weichen Herzen einzuprägen!
- Nicht wir sind schuld, ach! unsre Schwäch’ allein:
- Wie wir gemacht sind, müssen wir ja sein.
- Wie soll das gehn? Orsino liebt sie zärtlich;
- Ich armes Ding bin gleich verliebt in ihn,
- Und sie, Betrogne, scheint in mich vergafft.
- Was soll draus werden? Wenn ich Mann bin, muss
- Ich an der Liebe meines Herrn verzweifeln;
- Und wenn ich Weib bin: lieber Himmel, ach!
- Wie fruchtlos wird Olivia seufzen müssen!
- O Zeit! du selbst entwirre dies, nicht ich:
- Ein zu verschlungner Knoten ist’s für mich.
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