(Penthesilea vor der Leiche des Achill, die mit einem roten Teppich bedeckt ist.)
- – So war es ein Versehen. Küsse, Bisse,
- Das reimt sich, und wer recht von Herzen liebt,
- Kann schon das eine für das andre greifen.
[…]
- Lasst, lasst!
(Sie wickelt sich los, und lässt sich auf Knien vor der Leiche nieder.)
- Du Ärmster aller Menschen, du vergibst mir!
- Ich habe mich, bei Diana, bloß versprochen,
- Weil ich der raschen Lippe Herr nicht bin;
- Doch jetzt sag ich dir deutlich, wie ich’s meinte:
- Dies, du Geliebter, war’s, und weiter nichts.
(Sie küsst ihn.)
[…]
- Wie manche, die am Hals des Freundes hängt,
- Sagt wohl das Wort: sie lieb ihn, o so sehr,
- Dass sie vor Liebe gleich ihn essen könnte;
- Und hinterher, das Wort beprüft, die Närrin!
- Gesättigt sein zum Ekel ist sie schon.
- Nun, du Geliebter, so verfuhr ich nicht.
- Sieh her: als ich an deinem Halse hing,
- Hab ich’s wahrhaftig Wort für Wort getan;
- Ich war nicht so verrückt, als es wohl schien.
[…]
- Euch nicht! – –
- Geht ihr nach Themiscyra, und seid glücklich,
- Wenn ihr es könnt –
- Vor allen meine Prothoe –
- Ihr alle –
- Und – – – im Vertraun ein Wort, das niemand höre,
- Der Tanaïs Asche, streut sie in die Luft!
[…]
- – Ich will dir sagen, Prothoe,
- Ich sage vom Gesetz der Fraun mich los,
- Und folge diesem Jüngling hier.
[…]
- Nun denn, und was? – – Was suchst du mir am Gurt?
- – Ja, so. Wart, gleich! Verstand ich dich doch nicht.
- – – Hier ist der Dolch.
(Sie löst sich den Dolch aus dem Gurt, und gibt ihn der Prothoe.)
- Willst du die Pfeile auch?
(Sie nimmt den Köcher von der Schulter.)
- Hier schütt ich ihren ganzen Köcher aus!
(Sie schüttet die Pfeile vor sich nieder.)
- Zwar reizend wär’s von einer Seite –
(Sie hebt einige davon wieder auf.)
- Denn dieser hier – nicht? Oder war es dieser –?
- Ja, der! Ganz recht – Gleichviel! Da! Nimm sie hin!
- Nimm alle die Geschosse zu dir hin!
(Sie rafft den ganzen Bündel wieder auf, und gibt ihn der Prothoe in die Hände.)
[…]
- Denn jetzt steig ich in meinen Busen nieder,
- Gleich einem Schacht, und grabe, kalt wie Erz,
- Mir ein vernichtendes Gefühl hervor.
- Dies Erz, dies läutr ich in der Glut des Jammers
- Hart mir zu Stahl; tränk es mit Gift sodann,
- Heißätzendem, der Reue, durch und durch;
- Trag es der Hoffnung ew’gem Amboss zu,
- Und schärf und spitz es mir zu einem Dolch;
- Und diesem Dolch jetzt reich ich meine Brust:
- So! So! So! So! Und wieder! – Nun ist’s gut.
(Sie fällt und stirbt.)
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