Wendla: „Warum hast du dich aus der Stube geschlichen?“

Monolog · Jahrhundertwende · Prosa

Wendla Bergmann: Ach Gott, wenn jemand käme, dem ich um den Hals fallen und erzählen könnte!

aus Frühlings Erwachen (1891) von Frank Wedekind · II. Akt, 6. Szene

Originaltext · Frühlings Erwachen, Frank Wedekind (1891)ungekürzt
Dauer
ca. 1 Mingeschätzt, 93 Wörter
Umfang
93 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 14–22redaktionelle Einschätzung
Tonlage
beglücktleise & nachdenklich
Sprache
Prosabehutsam modernisiert
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(Bergmanns Garten im Morgensonnenglanz.)

Warum hast du dich aus der Stube geschlichen? — Veilchen suchen! — Weil mich Mutter lächeln sieht. — Warum bringst du auch die Lippen nicht mehr zusammen? — Ich weiß nicht. — Ich weiß es ja nicht, ich finde nicht Worte. ...

Der Weg ist wie ein Pelücheteppich — kein Steinchen, kein Dorn. — Meine Füße berühren den Boden nicht … O, wie ich die Nacht geschlummert habe!

Hier standen sie. — Mir wird ernsthaft wie einer Nonne beim Abendmahl. — Süße Veilchen! — Ruhig, Mütterchen. Ich will mein Bußgewand anzieh’n. — Ach Gott, wenn jemand käme, dem ich um den Hals fallen und erzählen könnte!

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Spielhinweise

  • Wendla führt ein Zwiegespräch mit sich selbst: Frage, Ausrede, neue Frage. Spiele beide Stimmen, ohne sie zu trennen.
  • Das Publikum weiß mehr als sie. Daraus entsteht eine leise dramatische Ironie; Wendla selbst bleibt ganz im Augenblick.
  • Die Bilder (Pelücheteppich, Nonne beim Abendmahl, Bußgewand) mischen Seligkeit und Schuldgefühl. Lass beides nebeneinander stehen.
  • Ein kurzer Monolog für sehr junge Darstellerinnen. Das Thema verlangt eine behutsame Probenarbeit.

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