(Nacht, Straße vor Gretchens Tür. Valentin, Soldat, Gretchens Bruder. In der Stadt redet man über seine Schwester.)
- Wenn ich saß bei einem Gelag,
- Wo mancher sich berühmen mag,
- Und die Gesellen mir den Flor
- Der Mägdlein laut gepriesen vor,
- Mit vollem Glas das Lob verschwemmt,
- Den Ellenbogen aufgestemmt;
- Saß ich in meiner sichern Ruh
- Hört’ all’ dem Schwadronieren zu.
- Und streiche lächelnd meinen Bart,
- Und kriege das volle Glas zur Hand
- Und sage: alles nach seiner Art!
- Aber ist eine im ganzen Land,
- Die meiner trauten Gretel gleicht,
- Die meiner Schwester das Wasser reicht?
- Top! Top! Kling! Klang! das ging herum!
- Die einen schrien: er hat Recht,
- Sie ist die Zier vom ganzen Geschlecht!
- Da saßen alle die Lober stumm.
- Und nun! — ums Haar sich auszuraufen
- Und an den Wänden hinauf zu laufen! —
- Mit Stichelreden, Naserümpfen
- Soll jeder Schurke mich beschimpfen!
- Soll wie ein böser Schuldner sitzen,
- Bei jedem Zufallswörtchen schwitzen!
- Und möcht’ ich sie zusammenschmeißen;
- Könnt’ ich sie doch nicht Lügner heißen.
- Was kommt heran? Was schleicht herbei?
- Irr’ ich nicht, es sind ihrer zwei.
- Ist er’s, gleich pack’ ich ihn beim Felle,
- Soll nicht lebendig von der Stelle!
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