Gretchen: „Ach neige, du Schmerzenreiche“

Monolog · Weimarer Klassik · Gereimte Strophen

Gretchen: Ach neige, du Schmerzenreiche

aus Faust. Der Tragödie erster Teil (1808) von Johann Wolfgang von Goethe · Szene „Zwinger“

Originaltext · Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe (1808)ungekürzt
Dauer
ca. 1,5 Mingeschätzt, 147 Wörter
Umfang
33 Verseungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 15–24redaktionelle Einschätzung
Tonlage
flehendleise & nachdenklich
Sprache
Gereimte Strophenbehutsam modernisiert
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(In der Mauerhöhle ein Andachtsbild der Mater dolorosa, Blumenkrüge davor.)

(Gretchen steckt frische Blumen in die Krüge.)

  1. Ach neige,
  2. Du Schmerzenreiche,
  3. Dein Antlitz gnädig meiner Not!
  1. Das Schwert im Herzen,
  2. Mit tausend Schmerzen
  3. Blickst auf zu deines Sohnes Tod.
  1. Zum Vater blickst du,
  2. Und Seufzer schickst du
  3. Hinauf um sein’ und deine Not.
  1. Wer fühlet,
  2. Wie wühlet
  3. Der Schmerz mir im Gebein?
  4. Was mein armes Herz hier banget,
  5. Was es zittert, was verlanget,
  6. Weißt nur du, nur du allein!
  1. Wohin ich immer gehe,
  2. Wie weh, wie weh, wie wehe
  3. Wird mir im Busen hier!
  4. Ich bin ach kaum alleine,
  5. Ich wein’, ich wein’, ich weine,
  6. Das Herz zerbricht in mir.
  1. Die Scherben vor meinem Fenster
  2. Betaut’ ich mit Tränen, ach!
  3. Als ich am frühen Morgen
  4. Dir diese Blumen brach.
  1. Schien hell in meine Kammer
  2. Die Sonne früh herauf,
  3. Saß ich in allem Jammer
  4. In meinem Bett’ schon auf.
  1. Hilf! rette mich von Schmach und Tod!
  2. Ach neige,
  3. Du Schmerzenreiche,
  4. Dein Antlitz gnädig meiner Not!

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Das Gebet ist gereimt, aber nicht gleichmäßig: Die Verse sind mal sehr kurz, mal lang. Das Versmaß bildet eine Ordnung, an der Gretchen sich festhält, während die Gedanken auseinanderfallen.
  • Die Wiederholungen („Wie weh, wie weh, wie wehe“, „Ich wein’, ich wein’, ich weine“) sind kein Ornament. Jede Wiederholung kann tiefer gehen als die vorige.
  • Die Blumen sind die Handlung der Szene. Gretchen hat sie im Morgengrauen gepflückt und dabei geweint. Sie kann sie während des Gebets ordnen.
  • Die Schlussstrophe nimmt den Anfang wieder auf, jetzt mit „Hilf! rette mich von Schmach und Tod!“ davor. Der gleiche Wortlaut klingt nach diesem Hilferuf anders.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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