Melchior Gabor: „Hierher folgt mir die Meute nicht“

Monolog · Jahrhundertwende · Prosa

Melchior Gabor: Ich war nicht schlecht!

aus Frühlings Erwachen (1891) von Frank Wedekind · III. Akt, 7. Szene

Originaltext · Frühlings Erwachen, Frank Wedekind (1891)Ausschnitt
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 296 Wörter
Umfang
296 WörterAusschnitt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 15–22redaktionelle Einschätzung
Tonlage
gehetztleise & nachdenklich
Sprache
Prosabehutsam modernisiert

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Inhalt
Seite

(Helle Novembernacht. An Busch und Bäumen raschelt das dürre Laub. Zerrissene Wolken jagen unter dem Mond hin. — Melchior klettert über die Kirchhofmauer.)

(Auf der Innenseite herabspringend.)

Hierher folgt mir die Meute nicht. — Derweil sie Bordelle absuchen, kann ich aufatmen und mir sagen, wie weit ich bin. …

Der Rock in Fetzen, die Taschen leer — vor dem Harmlosesten bin ich nicht sicher. — Tagsüber muss ich im Walde weiter zu kommen suchen. …

Ein Kreuz habe ich niedergestampft. — Die Blümchen wären heut’ noch erfroren! — Ringsum ist die Erde kahl. …

Im Totenreich! —

Aus der Dachluke zu klettern war so schwer nicht wie dieser Weg! — Darauf nur war ich nicht gefasst gewesen. …

Ich hänge über dem Abgrund — alles versunken, verschwunden — O wär’ ich dort geblieben!

Warum sie um meinetwillen! — Warum nicht der Verschuldete! — Unfassbare Vorsicht! — Ich hätte Steine geklopft und gehungert …!

Was hält mich noch aufrecht? — Verbrechen folgt auf Verbrechen. Ich bin dem Morast überantwortet. Nicht so viel Kraft mehr, um abzuschließen. …

Ich war nicht schlecht! — Ich war nicht schlecht! — Ich war nicht schlecht. …

— So neiderfüllt ist noch kein Sterblicher über Gräber gewandelt. — Pah — ich brächte ja den Mut nicht auf! — O, wenn mich Wahnsinn umfinge — in dieser Nacht noch!

Ich muss drüben unter den Letzten suchen! — Der Wind pfeift auf jedem Stein aus einer anderen Tonart — eine beklemmende Symphonie! — Die morschen Kränze reißen entzwei und baumeln an ihren langen Fäden stückweise um die Marmorkreuze — ein Wald von Vogelscheuchen! — Vogelscheuchen auf allen Gräbern, eine gräulicher als die andere — haushohe, vor denen die Teufel Reißaus nehmen. — Die goldenen Lettern blinken so kalt. … Die Trauerweide ächzt auf und fährt mit Riesenfingern über die Inschrift. …

— Ein betendes Engelskind — Eine Tafel —

Eine Wolke wirft ihren Schatten herab. — Wie das hastet und heult! — Wie ein Heereszug jagt es im Osten empor. — Kein Stern am Himmel —

Immergrün um das Gärtlein? — Immergrün? — — Mädchen …

Und ich bin ihr Mörder. — Ich bin ihr Mörder! — Mir bleibt die Verzweiflung. — Ich darf hier nicht weinen. — Fort von hier. — Fort. —

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Der Text ist in Bruchstücken geschrieben. Jeder Gedankenstrich ist ein neuer Gedanke oder ein Geräusch. Lass die Pausen echt sein; das Schweigen erzählt mit.
  • Melchior spricht im Dunkeln, gehetzt und erschöpft. Halte die Lautstärke niedrig. Die Wucht entsteht aus dem Inhalt, nicht aus der Stimme.
  • Die Beschreibung des Friedhofs (Wind, Kränze, Vogelscheuchen) ist fast fiebrig. Sieh die Bilder wirklich, bevor du sie benennst.
  • Der Schluss („Ich bin ihr Mörder“) ist kein Ausbruch, sondern eine Einsicht. Danach kommt Moritz’ Geist, das Stück geht weiter. Achte nach der Arbeit auf den Ausstieg aus der Rolle.

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Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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