(Ein Fahrradkeller. Eine Neonröhre flackert. Fahrräder in Reihen, ein Kinderanhänger, ein Rasenmäher. Amira, siebzehn, mit Ölflecken an den Händen, stellt sich vor die Fahrräder wie vor ein Publikum. Sie hält einen Zettel.)
Okay. Probe. Ihr seid Mama und Papa. Du, das rote Hollandrad, du bist Mama. Du hast auch so einen Korb vorne dran, in dem immer alles drin ist. Und du, Mountainbike mit dem Platten, du bist Papa. Passt auch.
(Sie räuspert sich.) Liebe Eltern. Nein. Kein „liebe Eltern“, da denken die sofort, jemand ist gestorben. (Neuer Anlauf.) Mama, Papa. Ich hab mich entschieden. Ich werde nicht Ärztin.
(Pause. Sie sieht die Fahrräder an.)
Siehst du, Mama, genau das Gesicht. Das hab ich mir gedacht. Du denkst jetzt an die Nachhilfe. Fünf Jahre Nachhilfe in Mathe, die Chemie-AG, das Praktikum in deiner Praxis, wo ich beim Blutabnehmen von Frau Dahms umgekippt bin.
Ich werde Mechatronikerin. Das ist eine Ausbildung. Dreieinhalb Jahre, mit Berufsschule. Ich hab schon eine Zusage, beim Autohaus Brenner. Die nehmen mich nach dem Abi, ab August.
(Zum Mountainbike.) Papa, du sagst jetzt: Du hast einen Schnitt von eins Komma drei, Amira. Du wirfst das weg. (Sie nickt.) Ja. Hab ich. Und ich werf ihn nicht weg. Ich nehm ihn mit. In eine Werkstatt. Der ist nicht festgeschraubt.
Und weißt du, was ich da mache, Papa? Das, was du jeden Tag machst. Nur bei Autos. Ich hör zu, wo es klopft. Ich such die Stelle, an der etwas nicht mehr fließt. Du sagst immer, ein Herz ist eine Pumpe mit Elektrik. (Pause.) Ich hab das gehört. Ich hab das sehr gut gehört.
(Sie geht zum Hollandrad und dreht an der Klingel.)
Mama, als ich zwölf war, hast du mir dein Rad geliehen, und die Kette ist rausgesprungen. Ich hab drei Stunden hier unten gesessen, mit einer Taschenlampe im Mund. Und als sie wieder drauf war, hab ich mich gefühlt wie … (Sie sucht das Wort.) Wie du, wenn du jemanden gesund gemacht hast. So hast du immer ausgesehen, wenn du nach Hause kamst. Genau so.
(Sie faltet den Zettel zusammen.) Ich will nicht so werden wie ihr. Ich will so gucken wie ihr. Das ist ein Unterschied.
(Oben fällt eine Tür ins Schloss. Schritte auf der Treppe. Amira erstarrt, dann steckt sie den Zettel weg.)
(Leise, zu den Fahrrädern.) Das war gut. Das war wirklich gut. (Lauter, zur Treppe.) Mama? Hast du kurz Zeit?
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