Benedikt: „Das kann keine Schelmerei sein“

Monolog · Renaissance & Shakespeare · Prosa (Übersetzung Wolf Graf Baudissin)

Benedikt: Das kann keine Schelmerei sein; das Gespräch war zu ernsthaft.

aus Viel Lärmen um nichts (1599) von William Shakespeare · II. Aufzug, 3. Szene

Originaltext · Viel Lärmen um nichts, William Shakespeare (1599)ungekürzt
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 270 Wörter
Umfang
270 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 22–40redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verblüfftkomisch
Sprache
Prosa (Übersetzung Wolf Graf Baudissin)behutsam modernisiert
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(Leonatos Garten. Benedikt hat sich in der Laube versteckt und belauscht, wie der Prinz, Claudio und Leonato von Beatrices heimlicher Liebe zu ihm sprechen. Die drei gehen ab.)

(Tritt hervor.)

Das kann keine Schelmerei sein; das Gespräch war zu ernsthaft. Sie haben die Gewissheit der Sache von Hero; sie scheinen das Fräulein zu bedauern: es scheint, ihre Leidenschaft hat die höchste Spannung erreicht. – In mich verliebt? Oh, das muss erwidert werden. Ich höre, wie man mich tadelt: sie sagen, ich werde mich stolz gebärden, wenn ich merke, wie sie mich liebt. Sie sagen ferner, sie werde ehe sterben, als irgendein Zeichen ihrer Neigung geben. Ich dachte nie zu heiraten; aber man soll mich nicht für stolz halten. Glücklich sind, die erfahren, was man an ihnen aussetzt, und sich darnach bessern können. Sie sagen, das Fräulein sei schön; ja, das ist eine Wahrheit, die ich bezeugen kann; und tugendhaft: – allerdings, ich kann nichts dawider sagen; – und verständig, ausgenommen, dass sie in mich verliebt sei: – nun, – meiner Treu, das ist eben kein Zuwachs ihrer Verständigkeit, aber doch kein großer Beweis ihrer Torheit, denn ich will mich entsetzlich wieder in sie verlieben. – Ich wage es freilich drauf, dass man mir etliche alberne Späße und Witzbrocken zuwirft, weil ich selbst so lange über das Heiraten geschmäht habe; aber kann sich der Geschmack nicht ändern? Es liebt einer in seiner Jugend ein Gericht, das er im Alter nicht ausstehn kann: sollen wir uns durch Sticheleien und Sentenzen und jene papiernen Kugeln des Gehirns aus der rechten Bahn unsrer Laune schrecken lassen? Nein, die Welt muss bevölkert werden. Als ich sagte, ich wolle als Junggeselle sterben, dacht’ ich es nicht zu erleben, dass ich noch eine Frau nehmen würde. Da kommt Beatrice. Beim Sonnenlicht, sie ist schön! Ich erspähe schon einige Zeichen der Liebe an ihr.

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Spielhinweise

  • Benedikt kommt eben aus dem Versteck. Lass das Publikum sehen, wie die Nachricht in ihm arbeitet, bevor der erste Satz fällt.
  • Er widerlegt sich selbst Satz für Satz. Jede neue Ausrede ist eine kleine Pointe; spiele sie als ernsthafte Überlegung, dann wird sie komisch.
  • „Nein, die Welt muss bevölkert werden“ ist der Höhepunkt der Selbstrechtfertigung. Er glaubt es in diesem Moment wirklich.
  • Der Schluss kippt: Beatrice kommt, nur um ihn zum Essen zu rufen. Benedikt sieht darin schon „Zeichen der Liebe“. Halte diesen Blick, bevor die Szene weitergeht.

Vorsprech-Set

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