Klaus: Der Kochkurs

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Klaus: Zwiebeln sind praktisch. Da fragt keiner.

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Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 293 Wörter
Umfang
293 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 62–72redaktionelle Einschätzung
Tonlage
sachlichtragikomisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Eine Lehrküche in der Volkshochschule. Sechs Kochinseln, an jeder steht jemand mit Schürze. Klaus, sechsundsechzig, die Brille auf der Stirn, steht vor einem Brett mit einem Berg Zwiebeln und einem viel zu großen Messer.)

Entschuldigung. Frau Kessler? Wie klein ist „fein gewürfelt“? (Er hört zu.) Wie eine Linse. Gut. Ich hab bis jetzt Murmeln.

(Er schneidet, ungeschickt.) Ich bin der Neue, ich weiß. Klaus. Sechsundsechzig. Seit April in Rente, vorher dreiundvierzig Jahre Vermessungsamt. Ich kann Ihnen auf den Zentimeter sagen, wo Ihr Grundstück aufhört. Aber ich weiß nicht, wo bei einer Zwiebel oben ist.

(Zur Nachbarin am Herd.) Nein, nein, ich mach das nicht zum Spaß. Ich hab ein Ziel. Meine Frau hat vor drei Wochen gesagt, sie will ausziehen. Beim Frühstück. Sie hat das Brötchen aufgeschnitten und gesagt: Klaus, ich glaube, ich ziehe aus. Und dann hat sie sich Marmelade draufgemacht. Ganz normal. Als würde sie sagen, es regnet.

Ich hab gefragt: Warum? Und sie hat gesagt: Seit du zu Hause bist, sitzt du in der Küche und wartest aufs Essen. Ich hab vierzig Jahre gekocht. Ich will jetzt mal was anderes. (Er schneidet.) Da hab ich gedacht: Gut. Dann koch ich eben. Ich überrasch sie. Ein Menü, mit Vorspeise. Und dann bleibt sie.

(Er wischt sich mit dem Handrücken über die Augen.)

Das sind die Zwiebeln. (Pause.) Das sind wirklich die Zwiebeln. Zwiebeln sind praktisch. Da fragt keiner.

(Er legt das Messer hin.) Frau Kessler, eine Frage, die nicht zum Kurs gehört. Was koche ich für jemanden, der mich verlassen will? (Er hört zu.) Was sie gern isst. Ja. Natürlich. (Lange Pause.) Ich weiß es nicht.

Ich weiß, was ich gern esse. Rouladen. Die hat sie jeden zweiten Sonntag gemacht, vierzig Jahre lang. Ich hab nie gefragt, ob sie die selber mag. Sie hat immer nur die Soße gegessen. Ich dachte, die mag sie am liebsten. (Pause.) Vielleicht mochte sie einfach keine Rouladen.

(Er setzt die Brille auf und sieht auf das Brett.) Die hier sind jetzt Linsen. Fast. (Pause.) Ich glaube, ich mach heute kein Menü. Ich nehm die Zwiebeln mit nach Hause und frag sie, was man damit machen soll. Und was sie eigentlich gern isst. Und dann hör ich zu. Das ist vielleicht der schwierigere Kurs.

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Ende des Textes

Spielhinweise

  • Klaus erzählt sehr Privates, als wäre es eine sachliche Auskunft. Daraus entsteht die Komik. Die Tragikomödie liegt darin, dass er die Bedeutung seiner Sätze erst beim Sprechen begreift.
  • Das Zwiebelschneiden ist dein Vorgang. Es braucht kein echtes Messer; wichtig ist, dass Klaus mit der Aufgabe kämpft und trotzdem weiterredet.
  • Die längste Pause gehört nach „Ich weiß es nicht“. Halte sie aus.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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