(Verona, im Garten von Julias Vater. Julias Zofe Lucetta hat ihr einen Liebesbrief von Proteus gebracht. Julia hat ihn aus Stolz zerrissen und Lucetta fortgeschickt; die Schnipsel liegen am Boden.)
- Nein, könnte mich derselbe Brief nur ärgern!
- Verhasste Finger, Liebesschrift zerreißt ihr?
- Mordsücht’ge Wespen, saugt des Honigs Süße
- Und stecht zu Tod die Biene, die ihn gab? –
- Zur Sühnung küss’ ich jedes Stück Papier.
- Sieh’ – güt’ge Julia – hier; ungüt’ge Julia!
- Und so, um deinen Undank zu bestrafen,
- Werf’ ich den Namen auf den harten Stein
- Und trete höhnend so auf deinen Stolz. –
- Oh! sieh, hier steht – der liebeswunde Proteus –
- Oh! Armer du! Mein Busen, wie ein Bett,
- Herberge dich, bis ganz die Wunde heilte;
- Und so erprüf’ ich sie mit heil’gem Kuss. –
- Doch zwei-, dreimal steht Proteus hier geschrieben.
- Still, guter Wind, entführe mir kein Stückchen,
- Bis jedes Wort des Briefs ich wieder fand.
- Nur meinen Namen nicht; den trag’ ein Sturm
- Zu einem furchtbar zackig schroffen Fels
- Und schleudr’ ihn dann ins wilde Meer hinab! –
- Sieh, zweimal hier sein Nam’ in einer Zeile –
- Der arme Proteus, Proteus, gramverloren, –
- Der süßen Julia. – Nein, das reiß’ ich ab;
- Doch will ich’s nicht, da er so allerliebst
- Ihn paart mit seinem schwermutsvollen Namen;
- So will ich einen auf den andern falten:
- Nun küsst, umarmt euch, zankt, tut, was ihr wollt!
(Lucetta kommt zurück.)
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