Lanz: „In einer ganzen Stunde werde ich nicht mit Weinen fertig“

Monolog · Renaissance & Shakespeare · Prosa (Übersetzung Dorothea Tieck)

Lanz: Nein, in einer ganzen Stunde werde ich nicht mit Weinen fertig

aus Die beiden Veroneser (1591) von William Shakespeare · II. Aufzug, 3. Szene

Originaltext · Die beiden Veroneser, William Shakespeare (1591)gekürzt
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 332 Wörter
Umfang
332 Wörtergekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 18–50redaktionelle Einschätzung
Tonlage
weinerlichkomisch
Sprache
Prosa (Übersetzung Dorothea Tieck)behutsam modernisiert
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(Verona, eine Straße. Lanz führt seinen Hund Krabb am Strick.)

Nein, in einer ganzen Stunde werde ich nicht mit Weinen fertig; alle Lanze haben nun einmal den Fehler. Ich habe mein Erbteil empfangen, wie der verlorne Sohn, und gehe mit Herrn Proteus an den kaiserlichen Hof. Ich denke, Krabb, mein Hund, ist der allerhartherzigste Hund auf der ganzen Welt; meine Mutter weinte, mein Vater jammerte, meine Schwester schrie, unsre Magd heulte, unsre Katze rang die Hände, und unser ganzes Haus war im erbärmlichsten Zustand, da vergoss dieser tyrannische Köter nicht eine Träne; er ist ein Stein, ein wahrer Kieselstein, und hat nicht mehr Nächstenliebe als ein Hund;

[…]

ja, meine Großmutter, die keine Augen mehr hat, seht ihr, die weinte sich blind bei meinem Fortgehn. Ich will euch zeigen, wie es herging: dieser Schuh ist mein Vater; nein, dieser linke Schuh ist mein Vater, – nein, dieser linke Schuh ist meine Mutter; nein, so kann es nicht sein; – ja, es ist so, es ist so; er hat die schlechteste Sohle; dieser Schuh mit dem Loch ist meine Mutter, und dieser mein Vater; hol’ mich der Henker! so ist’s; nun dieser Stock ist meine Schwester, denn seht ihr, sie ist so weiß wie eine Lilie und schlank wie eine Gerte; dieser Hut ist Hanne, unsre Magd, ich bin der Hund, – nein, der Hund ist er selbst, und ich bin der Hund, – ach! der Hund ist ich, und ich bin auch ich selbst; ja, ja, so ist’s. Nun komme ich zu meinem Vater; Vater, Euern Segen; nun kann der Schuh vor Weinen kein Wort sprechen; nun küsse ich meinen Vater; gut, er weint fort; – nun komme ich zu meiner Mutter (oh, dass sie nur sprechen könnte, wie ein Weib, das von Sinnen ist!); gut, ich küsse sie; ja, das ist wahr: das ist meiner Mutter Atem ganz und gar; nun komme ich zu meiner Schwester; gebt acht, wie sie ächzt; nun vergießt der Hund keine Träne, und spricht während der ganzen Zeit kein Wort; und ihr seht doch, wie ich den Staub mit meinen Tränen lösche.

(Panthino tritt auf.)

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Der Kern ist das Spiel mit den Gegenständen: Schuh, Stock und Hut werden zu Vater, Mutter, Schwester und Magd. Lege die Zuordnung vorher fest, damit die Verwechslungen genau sitzen.
  • Der Hund bleibt stumm. Ob ein echter Hund, ein Stofftier oder eine leere Leine: Er ist dein wichtigster Partner. Reagiere auf ihn.
  • Lanz meint seinen Kummer ernst. Die Komik entsteht, weil er es so ernst meint; spiele keine Witze, sondern den Versuch, alles richtig zu erklären.
  • Die Prosa ist ein einziger Redestrom. Setze Atem und Pointen bewusst.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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