(Ein Zimmer im Haus des Gouverneurs, nach einem reichlichen Frühstück. Der junge Iwan Alexandrowitsch Chlestakoff, ein kleiner Beamter aus Petersburg ohne Geld, wird von den Honoratioren der Stadt für den gefürchteten Revisor gehalten. Die Beamten stehen vor ihm.)
Keine Förmlichkeiten! Bitte, nehmen Sie nur Platz! Achten Sie nicht auf meinen Rang! (Der Gouverneur und alle andern setzen sich.) Im Gegenteil, ich tue alles, um überall unbeachtet durchzuschlüpfen. Aber es ist mir unmöglich, mich der Beachtung der Leute zu entziehen! Ich werde überall erkannt. Kaum lasse ich mich irgendwo blicken, so ruft man sich zu: „Seht, seht, da geht Iwan Alexandrowitsch!“ Einmal hat man mich sogar für den Höchstkommandierenden gehalten: die Soldaten kamen aus der Hauptwache gelaufen und präsentierten das Gewehr. Und dann sagte der Offizier, der ein guter Bekannter von mir war: „Sieh mal an, lieber Freund, haben wir dich da für den Höchstkommandierenden gehalten!“
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Mit allen schönen Schauspielerinnen bin ich bekannt — habe ich doch selbst verschiedene beliebte Stücke geschrieben ... Bei den berühmtesten Schriftstellern gehe ich ein und aus. Mit Puschkin stehe ich auf freundschaftlichem Fuße. Noch vor Kurzem sagt’ ich zu ihm: „Nun, Freund Puschkin, wie geht’s?“ — „Ja, ja, lieber Freund,“ antwortete er, „wie soll’s gehen!“ — Ich versichere Sie, ein wahres Original, dieser Puschkin!
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Ich gestehe, dass ich ganz von der Literatur lebe. Mein Haus ist eins der ersten in Petersburg. Es ist so bekannt, das Haus des Iwan Alexandrowitsch! ... (Sich zu sämtlichen Anwesenden wendend.) Machen Sie mir doch das Vergnügen, meine Herren, mich zu besuchen, wenn Sie mal nach Petersburg kommen. Ich gebe auch Bälle.
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Alles sehr einfach, ’s ist kaum der Rede wert. Auf die Tafel zum Beispiel kommt eine Wassermelone — ja, eine Wassermelone von sechshundert Rubel. Die Suppe in der Suppenschüssel beziehe ich per Dampfschiff direkt aus Paris. Man hebt den Deckel ab — o ein Duft! — Köstlicheres kann es in der ganzen Welt nicht geben. Ich gehe alle Tage auf den Ball. Auch unsern Whistclub haben wir: der Minister des Auswärtigen, der französische Gesandte, der deutsche Gesandte und ich. Ach, wie man sich dort abquält! Etwas Ähnliches bekommt man nirgends zu sehen. Wenn man endlich nach Hause eilt und seine vier Treppen hoch geklettert ist, hat man kaum die Kraft, zu seiner Haushälterin zu sagen: „Heda, Mawruscha, den Schlafrock ...“ Was sag’ ich denn da! — ich vergaß, dass ich Beletage wohne, nur eine Treppe ... Ich versichere Sie, es ist interessant, in mein Vorzimmer zu blicken, wenn ich noch nicht aufgestanden bin. Dort drängen sich Grafen und Fürsten, und sie summen just wie die Hummeln; man hört nichts als: sum-sum-sum! ... Einmal war auch ein Minister ... (der Gouverneur und die übrigen Beamten stehen bei diesem Worte ehrfurchtsvoll auf). Auf meinen Briefadressen steht immer: An Seine Exzellenz ... Einmal habe ich sogar den Ministerialdirektor vertreten. Es ist eine drollige Geschichte. Der Direktor war verreist — wohin? Das wusste kein Mensch. Natürlich entstand ein Gerede. Wer wird seine Stelle einnehmen? Es waren da eine Menge Generäle, die sich gar nichts Besseres wünschten. Sie versuchen’s — aber, Teufel! so leicht ist die Sache nicht! Man bildet sich ein, es sei eine Kleinigkeit; aber näher bei Lichte besehen ... Hol’s der Teufel, sie nehmen Reißaus. Man kommt zu mir. Sofort werden Kuriere über Kuriere geschickt ... Denken Sie sich: fünfunddreißigtausend Kuriere! Ich frage Sie, welche Situation! „Iwan Alexandrowitsch, kommen Sie schnell mit; Sie müssen die Leitung der Ministerialdirektion übernehmen!“ Offen gestanden, ich war ein wenig verschnupft. Ich ziehe meinen Schlafrock an, denn, meiner Treu, ich hatte nicht übel Lust, es auszuschlagen. Aber halt, denk’ ich, was würde der Kaiser dazu sagen? Und das Avancement — Sie verstehen mich ... Meine Herren, sag’ ich zu ihnen, ich nehme an, sag’ ich, ich nehme an; aber mit mir ... ah, mit mir darf man nicht ... bei mir heißt’s: die Ohren gespitzt! ... Also ... gut! Ich begebe mich direkt ins Büro ... Sämtliche Beamte — ein einziger Bückling; alle zittern und beben wie Espenlaub. (Der Gouverneur und die übrigen Beamten zittern vor Furcht; Chlestakoff fährt feuriger fort.) O, ich scherze nicht; ich gebe jedem sein gehöriges Pack! Selbst der Staatsrat fürchtet mich. Und warum auch nicht? Ich bin so ...! Ich sehe gar nicht auf die Person, nehme auf niemand Rücksicht ... Ich sage zu allen: Ich kenne mich, ich kenne mich! Ich bin überall, überall. Ich gehe täglich zu Hofe ... Und morgen oder übermorgen wird man mich zum Feldmarschall ma—hachen ...
(Er wankt und würde zu Boden fallen, wenn die Beamten ihn nicht ehrfurchtsvoll stützten.)
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