Fünf Minuten, ein leerer Raum, an einem Tisch eine Kommission. Mehr Zeit bekommt man in der ersten Runde vieler Aufnahmeprüfungen nicht, um zu zeigen, dass man an einer Schauspielschule richtig wäre. Die meisten Bewerbenden beginnen ihre Vorbereitung deshalb mit der Suche nach dem „perfekten Monolog“. Sinnvoller ist ein anderer Anfang: die genaue Lektüre dessen, was die einzelne Schule tatsächlich verlangt. Die Unterschiede sind größer, als viele annehmen.

Eine Aufnahmeprüfung, an manchen Hochschulen Eignungsprüfung genannt, entscheidet über einen Ausbildungsplatz, nicht über eine Rolle. Die Kommission sieht sich also weniger ein fertiges Ergebnis an als die Frage, ob mit dir in den kommenden Jahren gearbeitet werden kann. Dieser Beitrag zeigt, wie du Rollen auswählst und kürzt, wie du sie so erarbeitest, dass sie veränderbar bleiben, und worauf es am Prüfungstag ankommt.

Was die Schulen verlangen

Ein einheitliches Prüfungsformat gibt es im deutschsprachigen Raum nicht. Jede Hochschule und jede Schauspielschule legt Rollen, Runden, Fristen und Gebühren in eigenen Bestimmungen fest. Ein Blick auf die Bewerbungsseiten staatlicher Hochschulen im Oktober 2026 zeigt die Bandbreite:

  • Vorbereitete Rollen: Häufig werden zwei oder drei Rollen verlangt. Manche Hochschulen schreiben ausdrücklich eine klassische und eine moderne Rolle vor, andere sagen ebenso ausdrücklich, dass keine bestimmte Kombination nötig ist, solange die Rollen sich unterscheiden. Einzelne verlangen zusätzlich einen selbst erdachten Monolog oder eine eigene Spielszene.
  • Zeitvorgaben: Üblich sind kurze Ausschnitte; eine Vorgabe von etwa fünf Minuten je Rolle ist verbreitet.
  • Weitere Aufgaben: Fast überall gehört ein Lied dazu, mal ohne Begleitung, mal mit Klavier der Hochschule. Hinzu kommen Bewegungs-, Stimm- und Sprechaufgaben, Improvisation und Gruppenarbeit.
  • Ablauf: Das Verfahren erstreckt sich oft über mehrere Runden, von einer Vorauswahl über eine zweite Runde bis zu mehrtägigen Endrunden. In späteren Runden wird teils eine zusätzliche, neu zu erarbeitende Rolle verlangt. Manche Schulen lassen für die erste Runde Rollen-Videos zu und laden erst danach zum Vorsprechen ein.
  • Fristen und Gebühren: Die Bewerbungsschlüsse liegen je nach Schule zu ganz unterschiedlichen Zeiten im Jahr und oft viele Monate vor Studienbeginn. Für das Verfahren werden teils Gebühren erhoben. Einige Hochschulen begrenzen außerdem, wie oft man sich bewerben darf.

Wer sich an mehreren Schulen bewirbt, braucht deshalb eine eigene Übersicht: Frist, Bewerbungsweg, geforderte Rollen und Zeitvorgaben, weitere Aufgaben, Gebühren und die Zahl erlaubter Bewerbungen, jeweils mit dem Datum, an dem du die Angaben gelesen hast. Erfahrungsberichte aus früheren Jahren erzählen etwas über die Atmosphäre, ersetzen aber nicht die aktuelle Seite. Auch formale Voraussetzungen wie Schulabschluss, Mindest- und Höchstalter oder Sprachnachweise regelt jede Schule selbst.

Rollen wählen, die du wirklich spielen kannst

Ein berühmter Text ist nicht automatisch der richtige. Kommissionen hören manche Monologe in jeder Prüfungsrunde mehrfach; das allein ist kein Ausschlussgrund, macht den Vergleich aber direkter. Entscheidender ist, ob du verstehst, was die Figur in diesem Moment von jemandem will. Gibt es eine Situation, ein Gegenüber und einen Grund, jetzt zu sprechen? Verändert sich im Verlauf des Ausschnitts etwas?

Hilfreich ist eine Rolle, deren Lebenslage du nachvollziehen kannst. Eine Figur, die vierzig Jahre älter ist als du, zwingt dich leicht dazu, Alter vorzuführen statt eine Situation zu spielen. Das ist keine Regel, sondern eine Frage der Aufgabe: Was soll die Kommission an dieser Rolle über dich erfahren? Die Gesamtheit deiner vorbereiteten Rollen heißt Vorsprechrepertoire. Es lohnt sich, dieses Repertoire so anzulegen, dass zwei Ausschnitte tatsächlich Verschiedenes zeigen: eine andere Beziehung, ein anderes Ziel, eine andere Sprache, vielleicht Vers neben Prosa. „Unterschiedlich“ heißt mehr als einmal laut und einmal leise.

Lies das ganze Stück. Wer nur den Monolog kennt, übersieht Beziehungen und Ereignisse, die seine Bedeutung verändern. Notiere dir, was unmittelbar vorher geschehen ist, was die Figur weiß und was sie erreichen will. Die gegebenen Umstände einer Szene und das Spielziel der Figur sind dafür hilfreiche Begriffe. Ungeklärte Stellen gehören in die Vorbereitung, nicht unter eine eindrucksvolle Betonung.

Kürzen, ohne die Szene zu zerstören

Eine Zeitvorgabe ist eine Anforderung der Schule, und sie sollte eingehalten werden. Kürze so, dass die Szene verständlich bleibt. Ein Ausschnitt muss nicht die gesamte Handlung nacherzählen, aber du selbst solltest wissen, wo er beginnt und warum die Figur gerade jetzt spricht.

Fiktives Beispiel: Eine Figur will verhindern, dass ihre Schwester das gemeinsame Elternhaus verkauft. Sie erinnert zuerst an die Sommer im Garten. Als die Schwester von Schulden spricht, bietet sie an, die Raten zu übernehmen. Schließlich fragt sie, ob es überhaupt um das Haus geht oder darum, dass die Schwester sie nicht mehr sehen will. In diesem Verlauf stecken drei verschiedene Versuche. Werden beim Kürzen alle Wendepunkte gestrichen, bleibt ein gleichförmiger Appell übrig, und genau den will niemand fünf Minuten lang sehen.

Halte dich bei Werken aus der Dramenliteratur an den Wortlaut und gib Autor*in und Stück eindeutig an. Ein selbst erdachter Monolog, wie ihn manche Schulen verlangen, ist eine eigene Aufgabe; einen fremden Text still umzuschreiben, ist es nicht.

Erarbeiten statt konservieren

Lerne den Text so sicher, dass deine Aufmerksamkeit beim Gegenüber und in der Situation liegen kann. Setze aber nicht für jeden Satz eine Betonung fest. Wenn die Figur überzeugen will, verändert die Reaktion des Gegenübers den nächsten Versuch. Das gilt auch beim allein gespielten Ausschnitt: Das imaginäre Gegenüber braucht einen Ort im Raum und eine konkrete Bedeutung für dich.

Kostüm, Requisiten und äußere Effekte sollten keine ungeklärte Situation verdecken. Ein Stuhl reicht meistens. Prüfe vorher, was erlaubt ist und was du selbst mitbringen musst, denn nicht jeder Prüfungsraum bietet dieselben Möglichkeiten.

Wenn die Kommission etwas anderes sehen will

In späteren Runden bitten Kommissionen häufig darum, eine Szene noch einmal anders zu spielen: „Versuch, ihn zu beruhigen, statt ihn anzugreifen“, „Fang weiter weg an“, „Lass dir mehr Zeit, bevor du antwortest“. Gerade diese Momente sind aufschlussreich, weil sie zeigen, wie du mit einem neuen Impuls umgehst. Hör zu, frag nach, wenn die Aufgabe unklar ist, und probier sie dann wirklich aus. Eine Erklärung, warum deine erste Version besser war, zeigt nur, dass du an ihr festhältst.

Du kannst das üben, indem dir eine andere Person bei Proben zu Hause unerwartete Aufgaben gibt. Ziel ist nicht, für jede denkbare Anweisung eine fertige Variante parat zu haben. Du trainierst, Textsicherheit und Offenheit gleichzeitig zu halten.

Lied, Bewegung und Improvisation

Wird ein Lied verlangt, wähle eines, das du sicher singen kannst und das zu dir passt; die Kommission sucht in der Regel keine Gesangsausbildung, sondern hört, wie du mit Stimme und Ausdruck umgehst. Kläre vorher, ob es Begleitung gibt oder ob du ohne Begleitung oder mit eigenem Playback singst; manche Schulen handhaben das in den einzelnen Runden unterschiedlich.

Bewegungs- und Improvisationsaufgaben prüfen, wie du wahrnimmst, reagierst und mit anderen spielst. Vorbereiten lässt sich dafür vor allem der Körper: ausgeruht und aufgewärmt ankommen und Kleidung tragen, in der du dich frei bewegen kannst. Passende Übungen beschreibt der Beitrag Effektive Aufwärmübungen.

Wenn die erste Runde per Video läuft

Manche Schulen nehmen für die erste Runde Videos an oder verlangen sie sogar. Das spart Reisen und Kosten, verändert aber die Aufgabe. Die Rolle, die im Prüfungsraum für eine Kommission in einigen Metern Abstand gedacht war, wird nun von einer Kamera aufgenommen. Lies die Vorgaben genau: Wie lang darf ein Video sein, ist ein Schnitt erlaubt, soll die ganze Person zu sehen sein oder ein Ausschnitt, und in welchem Format wird hochgeladen?

Meist ist eine ruhige, gut beleuchtete Aufnahme in einer halbnahen Einstellung sinnvoller als eine aufwendige Inszenierung. Der Ton muss klar sein, ein gleichmäßiger Hintergrund lenkt nicht ab. Spiel nicht kleiner, nur weil eine Kamera läuft, aber auch nicht so, als säße die Kommission in der letzten Reihe eines großen Saals. Wie du eine Szene technisch und schauspielerisch gut aufnimmst, beschreibt der Beitrag Self-Tape Auditions. Wer per Video überzeugt, wird anschließend in der Regel zu einer Runde vor Ort eingeladen; dann gilt alles, was oben über Rollen und Hinweise steht, wieder im Raum.

Der Prüfungstag

Lege eine Mappe an: Einladung, geforderte Unterlagen, ausgedruckte Texte in der Fassung, die du spielst, Noten für das Lied. Plane die Anreise so, dass du vor dem Termin ankommst und dich orientieren kannst. Wartezeiten sind bei Aufnahmeprüfungen normal; nimm etwas zu essen mit und überlege dir, wie du dich zwischendurch warm hältst, ohne dich zu verausgaben.

Aufregung gehört dazu, auch bei sehr erfahrenen Bewerbenden. Wie sich Bühnenangst äußert und was im Moment hilft, beschreibt der Beitrag Bühnenangst bekämpfen. Hilfreich ist oft eine einfache Frage kurz vor dem Auftritt: Was will meine Figur in den ersten zehn Sekunden?

Nach einer Absage

Viele, die heute an Stadt- und Staatstheatern spielen, wurden nicht beim ersten Versuch genommen. Die Plätze sind knapp, Jahrgänge an staatlichen Hochschulen umfassen oft nur acht bis zwölf Studierende, und eine Kommission stellt einen Jahrgang zusammen, nicht eine Rangliste. Eine Absage sagt deshalb wenig darüber, ob du Schauspiel lernen kannst. Beachte aber die Grenzen der einzelnen Schulen: Manche lassen nur eine begrenzte Zahl von Bewerbungen zu. Ob du es ein weiteres Mal versuchst, ist dann auch eine Frage, mit welchen Rollen und mit welcher zusätzlichen Erfahrung du zurückkommen würdest.

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