(Das Zimmer des Sohnes im Elternhaus, abends. Der Sohn hat sein Examen nicht bestanden; der Vater, ein Arzt, ist deshalb heimgekommen. Er hat dem Sohn Strenge angekündigt und fragt ihn, was er von ihm will.)
Ich bin ein Mensch, Papa, ein Geschöpf, ich bin nicht eisern, ich bin kein ewig glatter Kieselstein. Könnt ich dich erreichen auf der Erde! Könnt ich näher zu dir! Weshalb diese schmerzliche Feindschaft, dieser in Hass verwundete Blick? Gibt es ein Nest, einen Aufstieg zum Himmel – ich möchte mich an dich ketten – hilf mir!
(Er fällt vor ihm nieder und ergreift seine Hand.)
[…]
(Erhebt sich langsam.)
Du verachtest mich – das ist dein Recht; dafür leb ich von deinem Gelde. Ich habe zum ersten Male die Grenzen des Sohnes durchbrochen mit dem Sturm meines Herzens. Sollte ich das nicht? Welches Gesetz zwingt mich denn unter dieses Joch? Bist du nicht auch nur ein Mensch, und bin ich nicht deinesgleichen? Ich lag zu deinen Füßen und habe um deinen Segen gerungen, und du hast mich verlassen im höchsten Schmerz. Das ist deine Liebe zu mir. Hier endet mein Gefühl.
[…]
So höre, Papa, noch ein Wort! Du sollst erfahren, dass ich gehungert habe in deinem Hause! Die Gouvernanten haben mich geschlagen, und trotzdem hast du ihnen geglaubt! Du hast mich auf den Speicher gesperrt. Ich bin oft schuldlos gestraft worden, keiner hatte Mitleid mit mir. Papa! Es gibt doch Freude – etwas, was golden an die Firmamente rollt – weshalb war ich verstoßen von allen wie ein Mensch mit der Pest? Weshalb muss ich weinen, wenn ein armer Affe im Zirkus aus einer künstlichen Tasse trinkt? Ich kenne die Qual der unfreien, der friedlosen Kreatur. Das ist gegen Gott! Du hast mir die Kleider verboten und mir die Haare geschoren, wenn ich aus glühender Eitelkeit sie anders wollte als du. Soll ich noch weiter in diesem Schlunde wühlen, wo doch an tausend Zacken mein Fleisch klebt! Sieh mich an – was hab ich getan? Kann es nicht bald genug sein. So hör doch und lass mich endlich einen Strahl des allerbarmenden Lichtes sehn. Es steht ja in deiner Macht. Du hast dich verschlossen – tu dich mir auf! Gib mir die Freiheit, um die ich dich grenzenlos bitte.
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