(Alexandria, ein Zimmer im Grabmal. Antonius ist tot, Cäsar will Kleopatra im Triumphzug nach Rom führen. Ein Bauer hat ihr in einem Korb Giftschlangen gebracht; Iras bringt Mantel und Krone.)
- Den Mantel gib, setz’ mir die Krone auf,
- Ich fühl’ ein Sehnen nach Unsterblichkeit!
- Nun netzt kein Traubensaft die Lippe mehr. –
- Rasch, gute Iras! Schnell! Mich dünkt, ich höre
- Antonius’ Ruf: ich seh’ ihn sich erheben,
- Mein edles Tun zu preisen; er verspottet
- Des Cäsar Glück, das Zeus nur als Entschuld’gung
- Zukünft’gen Zorns verleiht. Gemahl, ich komme! –
- Jetzt schafft mein Mut ein Recht mir zu dem Titel!
- Ganz Feu’r und Luft, geb’ ich dem niedern Leben
- Die andern Elemente. – Seid ihr fertig,
- So kommt, nehmt meiner Lippen letzte Wärme! –
- Leb wohl, du gute Charmion! Liebste Iras,
- Ein langes Lebewohl!
(Küsst sie, Iras fällt hin und stirbt.)
- Hab’ ich die Natter auf der Lippe? Fällst du?
- Kann sich Natur so freundlich von dir trennen?
- So trifft uns Tod wie Händedruck des Liebsten,
- Schmerzlich und doch ersehnt. Liegst du so still?
- Wenn du so hinscheid’st, meldest du der Welt,
- Sie sei nicht wert des Abschieds!
[…]
- Dies beschämt mich! –
- Sieht sie zuerst Antonius’ lockig Haupt,
- Wird er sie fragen und den Kuss verschwenden,
- Der mir ein Himmel ist. – Komm, tödlich Spielzeug,
(Setzt die Schlange an ihre Brust.)
- Dein scharfer Zahn löse mit eins des Lebens
- Verwirrten Knoten! Armer, gift’ger Narr!
- Sei zornig, mach’ ein End! O könnt’st du reden,
- So hört’ ich dich den großen Cäsar schelten
- Kurzsicht’gen Tropf!
[…]
- Still,
- Siehst du den Säugling nicht an meiner Brust
- In Schlaf die Amme saugen?
[…]
- So süß wie Tau! so mild wie Luft! so lieblich –
- O mein Antonius! – Ja, dich nehm’ ich auch,
(Setzt eine zweite Schlange an ihren Arm.)
- Was wart’ ich noch ...
(Fällt zurück und stirbt.)
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