Uli: Die Nase

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Uli: Wer eine Nase hat, ist nie ganz allein.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 240 Wörter
Umfang
240 Wörterungekürzt
Figur
offen besetzbar
Spielalter
ca. 48–55redaktionelle Einschätzung
Tonlage
verspielttragikomisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
Seite

(Eine kleine Umkleide im Keller eines Kinderkrankenhauses. Ein Spiegel mit Glühbirnen, ein Waschbecken, eine rote Clownsnase auf der Ablage. Uli, zweiundfünfzig, in bunter Weste und viel zu großen Schuhen, wischt sich mit einem Tuch die weiße Farbe aus dem Gesicht.)

So, Doktor Pomodoro. Feierabend. (Wischt.) Die linke Augenbraue noch. Die ist immer am hartnäckigsten. Die will nicht nach Hause.

Heute war ein guter Tag. Zimmer zwölf hat gelacht. Zimmer zwölf hat seit Montag nicht gelacht. Ich hab die Seifenblasennummer gemacht, die, bei der die Blasen nicht platzen wollen und dann alle auf einmal auf meiner Nase platzen. Das klappt nie. Heute hat es geklappt. Ich glaube, Zimmer zwölf hat gedacht, das ist Absicht.

(Wischt langsamer.) Und dann Zimmer neun. Jonas, acht. Morgen früh wird er operiert. Wir haben Schwarzer Peter gespielt, und er hat absichtlich verloren, damit ich mich freue. Kinder machen das. Die trösten einen. (Pause.) Und als ich gehen wollte, hat er gefragt: Wie heißt du eigentlich in echt?

(Uli hält inne und sieht in den Spiegel.)

Ich hab gesagt: Doktor Pomodoro, Fachgebiet Kitzeln. Und er: Nein, in echt. (Pause.) Ich hab einen Witz gemacht. Ich weiß nicht mal mehr, welchen. Und bin raus.

Seit sechsundzwanzig Jahren mach ich das. Die Regel ist: Die Kinder kriegen die Nase, nicht den Menschen dahinter. Der Mensch dahinter hat Rücken, eine Steuererklärung und eine Katze mit Schilddrüse. Das braucht hier keiner.

(Das Gesicht ist fast sauber. Uli betrachtet es.) Und ehrlich gesagt hab ich ein bisschen Angst, dass der Mensch dahinter langweilig ist. Dass Jonas sagt: Ach so. Nur Uli.

(Uli nimmt eine Karteikarte und einen Stift aus der Tasche, schreibt etwas und steckt die rote Nase auf eine Ecke der Karte.)

Uli. Einfach Uli. Mit i. (Pause.) Das bring ich ihm morgen früh vorbei, bevor sie ihn abholen. Die Nase darf er behalten, für die Narkose. Wer eine Nase hat, ist nie ganz allein.

(Leise, in den Spiegel.) Und wenn er aufwacht, bin ich wieder Doktor Pomodoro. Versprochen.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Uli ist offen angelegt und lässt sich in jeder Besetzung spielen. Das Abschminken ist ein echter Vorgang: Mit jedem Wisch verschwindet ein Stück vom Clown, und der Ton wird ein wenig leiser.
  • Die Komik gehört zum Beruf und bleibt bis zum Schluss. Spiele die Tragikomödie nicht traurig, sondern so, dass der Witz das Gefühl festhält.
  • Der Spiegel kann eine leere Fläche oder das Publikum sein. Wichtig ist, dass Uli sich darin wirklich ansieht.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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