(Eine Parkbank. Leander, neunzehn, steht vor seiner Freundin Merle, die auf der Bank sitzt. Er hat die Hände in den Jackentaschen, nimmt sie heraus, steckt sie wieder hinein.)
Merle. Ich muss dir was sagen. Und bitte lach nicht, wenn es … also, du weißt ja, wenn ich aufgeregt bin, dann …
- Dann sprech ich plötzlich so wie Hamlet, Merle.
- Ich hör es selbst und kann es nicht verhindern.
- Frau Albrecht sagt, das gibt sich mit der Zeit.
- Es gibt sich nicht. Es wird von Tag zu Tag
- nur schlimmer, und beim Bäcker gestern früh
- verlangte ich zwei Brötchen wie ein König.
(Er bricht ab und atmet.) Okay. Okay. Normal. Ich kann das normal. Merle, ich …
- Ich liebe dich, das ist es nicht, wahrhaftig.
- Ich liebe dich vermutlich mehr als je.
- Doch du willst nach Berlin und ich nach Graz,
- und zwischen uns liegt eine Nacht im Zug,
- und du hast selbst gesagt, du willst nicht warten,
- und ich, ich will nicht, dass du auf mich wartest.
(Merle sagt etwas. Leander hört zu und nickt.)
Nein, ich mach nicht Schluss, weil ich dich nicht … (Er gibt auf.)
- Mit dir zu sein, nicht sein: das ist die Frage.
- Ob’s edler im Gemüt, die Fernbeziehung
- mit all den Pfeilen und den Schleudern Zugfahrt
- erdulden, oder sich, ach, Merle, nein.
(Er setzt sich neben sie auf die Bank.) Siehst du. Das ist das Problem. Selbst wenn ich Schluss mache, klingt es wie eine Liebeserklärung. Ich wollte das kurz machen. Klar. Wie ein Pflaster. Und jetzt red ich seit fünf Minuten in Hebungen.
(Merle sagt etwas. Er sieht sie an.)
Was? (Pause.) Du hast dich in Graz beworben? Auch? Seit wann? (Lange Pause.) Und das sagst du mir jetzt? Nachdem ich gerade …
- O Merle. O du Biest. O du Geliebte.
- Ich nehm zurück, was ich soeben sagte.
- Den ganzen Akt. Den Vorhang auch. Die Bank.
(Normal, sehr erleichtert.) Ich glaub, ich red jetzt wieder normal. (Er probiert es.) Ja. Geht.
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Ende des Textes

