Martina und Uwe: Langsamer Walzer

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Martina und Uwe: Wenn du jetzt gut tanzt, ist die Ehe gerettet.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 362 Wörter
Umfang
362 WörterUwe · Martina
Figuren
weiblich + männlich
Spielalter
ca. 40–50redaktionelle Einschätzung
Tonlage
zänkischkomisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
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(Ein Tanzsaal in der Pause. Stühle an der Wand, eine Discokugel, die sich nicht dreht. Martina, sechsundvierzig, und Uwe, achtundvierzig, sitzen nebeneinander, beide mit einer Apfelschorle. Uwe reibt sich den Fuß.)

Uwe

Du hast mir viermal auf den Fuß getreten.

Stichwort: „… mir viermal auf den Fuß getreten.“

Martina

Du hast mich viermal in die falsche Richtung gedreht.

Stichwort: „… viermal in die falsche Richtung gedreht.“

Uwe

Ich hab dich in die richtige Richtung gedreht. Du hast dich in die falsche gedreht.

Stichwort: „… hast dich in die falsche gedreht.“

Martina

Frau Sommer hat gesagt, der Herr führt.

Stichwort: „… Sommer hat gesagt, der Herr führt.“

Uwe

Ich führe ja. Du folgst nur nicht.

Stichwort: „… führe ja. Du folgst nur nicht.“

Martina

Weil du so führst, als wolltest du die Tanzfläche verlassen.

Stichwort: „… als wolltest du die Tanzfläche verlassen.“

(Pause. Beide trinken.)

Uwe

Warum sind wir eigentlich hier?

Stichwort: „Warum sind wir eigentlich hier?“

Martina

Das fragst du jetzt? Nach drei Wochen?

Stichwort: „… fragst du jetzt? Nach drei Wochen?“

Uwe

Ich frag, weil du mich angemeldet hast, ohne zu fragen. Und weil ich gern wüsste, ob ich irgendwas … ob was ist.

Stichwort: „… ich irgendwas … ob was ist.“

Martina

Was soll sein?

Stichwort: „Was soll sein?“

Uwe

Ich hab gegoogelt. Paartanzkurs, wenn die Ehe kriselt. Da kommen lauter Artikel.

Stichwort: „… Ehe kriselt. Da kommen lauter Artikel.“

Martina

(Sie lacht.) Uwe. Unsere Ehe kriselt nicht.

Stichwort: „Uwe. Unsere Ehe kriselt nicht.“

Uwe

Nicht?

Stichwort: „Nicht?“

Martina

Nein. (Pause.) Also, nicht mehr als sonst.

Stichwort: „Nein. Also, nicht mehr als sonst.“

Uwe

Und warum dann?

Stichwort: „Und warum dann?“

Martina

(Sie zögert.) Weil Jule heiratet.

Stichwort: „Weil Jule heiratet.“

Uwe

Unsere Jule?

Stichwort: „Unsere Jule?“

Martina

Sie hat es mir vor einem Monat gesagt. Ich darf es dir noch nicht sagen. Sie will es dir selbst sagen, an deinem Geburtstag. Und dann gibt es einen Eröffnungstanz, und der Brautvater tanzt mit der Braut. Und ich hab dich auf der Hochzeit deines Bruders tanzen sehen. Das wollte ich Jule ersparen.

Stichwort: „… sehen. Das wollte ich Jule ersparen.“

Uwe

(Sehr lange Pause.) Jule heiratet.

Stichwort: „Jule heiratet.“

Martina

Tu überrascht. Am Geburtstag. Versprich mir das.

Stichwort: „… überrascht. Am Geburtstag. Versprich mir das.“

Uwe

(Er steht auf, geht ein paar Schritte und dreht sich um.) Martina. Ich muss dir auch was sagen.

Stichwort: „… Ich muss dir auch was sagen.“

Martina

Bitte nicht noch ein Geheimnis. Ich bin erschöpft.

Stichwort: „… noch ein Geheimnis. Ich bin erschöpft.“

Uwe

Ich kann tanzen.

Stichwort: „Ich kann tanzen.“

Martina

Was?

Stichwort: „Was?“

Uwe

Ich kann tanzen. Richtig. Ich war Landesmeister. Standard, Jugend, neunzehnhundertvierundneunzig. Mit Sabine Kopp aus Gütersloh.

Stichwort: „… neunzehnhundertvierundneunzig. Mit Sabine Kopp aus Gütersloh.“

Martina

Du lügst.

Stichwort: „Du lügst.“

Uwe

Es gibt einen Pokal. Der steht bei meiner Mutter im Keller, in einem Karton, auf dem „Uwe, Kram“ steht.

Stichwort: „… Karton, auf dem „Uwe, Kram“ steht.“

Martina

Und warum trittst du mir dann seit drei Wochen auf die Füße?

Stichwort: „… seit drei Wochen auf die Füße?“

Uwe

Ich tret dir nicht auf die Füße. Du trittst mir auf die Füße. Ich führe nur absichtlich schlecht.

Stichwort: „… Füße. Ich führe nur absichtlich schlecht.“

Martina

Warum?

Stichwort: „Warum?“

Uwe

(Er setzt sich wieder.) Weil Sabine nach der Meisterschaft mit einem anderen weitergetanzt hat. Und weil ich danach nie wieder wollte, dass jemand sieht, wie viel mir das bedeutet. (Pause.) Und dann meldest du mich hier an, und ich dachte, du willst die Ehe retten. Und ich dachte: Wenn ich jetzt gut tanze, dann denkst du, die Ehe ist gerettet, und dann hören wir auf.

Stichwort: „… gerettet, und dann hören wir auf.“

Martina

(Sie starrt ihn an.) Das ist das Verrückteste, was du je gesagt hast.

Stichwort: „… Verrückteste, was du je gesagt hast.“

Uwe

Ich weiß.

Stichwort: „Ich weiß.“

Martina

Und das Schönste.

Stichwort: „Und das Schönste.“

(Die Musik setzt wieder ein: ein langsamer Walzer. Frau Sommer klatscht in die Hände. Uwe steht auf und hält Martina die Hand hin.)

Uwe

Darf ich?

Stichwort: „Darf ich?“

Martina

Wenn du jetzt gut tanzt, ist die Ehe gerettet.

Stichwort: „… gut tanzt, ist die Ehe gerettet.“

Uwe

Dann ist sie das eben.

Stichwort: „Dann ist sie das eben.“

(Sie stehen auf. Uwe führt. Diesmal tritt keiner dem anderen auf die Füße.)

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Ende der Szene

Spielhinweise

  • Die Szene beginnt wie ein ganz normaler Ehestreit. Spielt die ersten Wortwechsel schnell und genau, fast wie eine Stichomythie.
  • Beide Geständnisse kommen überraschend. Gebt jedem genug Raum. Danach verändert sich die Proxemik: Am Ende tanzt ihr wirklich, nah und sicher.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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