Jördis und Kay: Kündigung

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Jördis und Kay: Das Fensterbrett ist nicht Teil des Tarifs.

Freier Text von SceneTalent

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Dauer
ca. 4 Mingeschätzt, 446 Wörter
Umfang
446 WörterKay · Jördis
Figuren
weiblich + offen
Spielalter
ca. 38–45redaktionelle Einschätzung
Tonlage
genervtkomisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
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(Ein Handyladen, grelles Licht, ein Tresen mit Tablet. Dahinter Kay, zweiundvierzig, im Firmenpolo mit Namensschild, ein Headset um den Hals. Davor Jördis, vierzig, mit einem Ordner unter dem Arm.)

Kay

Herzlich willkommen bei Funkwerk! Mein Name ist Kay. Wie kann ich Ihren Tag heute digital ein bisschen schöner machen?

Stichwort: „… heute digital ein bisschen schöner machen?“

Jördis

Ich möchte kündigen.

Stichwort: „Ich möchte kündigen.“

Kay

(Lächelt unverändert.) Wie schön, dass Sie sich Zeit für Ihren Vertrag nehmen!

Stichwort: „… sich Zeit für Ihren Vertrag nehmen!“

Jördis

Ich nehme mir keine Zeit für meinen Vertrag. Ich möchte ihn beenden. Hier ist alles. (Sie legt den Ordner auf den Tresen.) Kundennummer, Vertragsnummer, die Kündigung in zweifacher Ausfertigung und ein Ausdruck der E-Mail, auf die ich seit sechs Wochen keine Antwort bekomme.

Stichwort: „… seit sechs Wochen keine Antwort bekomme.“

Kay

Darf ich fragen, was Sie zu diesem Schritt bewogen hat?

Stichwort: „… Sie zu diesem Schritt bewogen hat?“

Jördis

Ich zahle seit drei Jahren neunundvierzig Euro für Internet, das im Wohnzimmer nur funktioniert, wenn ich auf dem Fensterbrett stehe.

Stichwort: „… wenn ich auf dem Fensterbrett stehe.“

Kay

(Tippt.) Ich verstehe Ihren Frust. (Liest vom Tablet ab.) Haben Sie schon von unserem neuen Tarif „Funkwerk Komfort Plus“ gehört?

Stichwort: „… neuen Tarif „Funkwerk Komfort Plus“ gehört?“

Jördis

Lesen Sie das ab?

Stichwort: „Lesen Sie das ab?“

Kay

Nein.

Stichwort: „Nein.“

Jördis

Sie lesen das ab.

Stichwort: „Sie lesen das ab.“

Kay

(Pause.) Ich habe es auswendig gelernt. Aber es steht auch hier. (Dreht das Tablet kurz zu ihr.) Zur Sicherheit.

Stichwort: „… es steht auch hier. Zur Sicherheit.“

Jördis

Ich will kein Komfort Plus. Ich will raus.

Stichwort: „… kein Komfort Plus. Ich will raus.“

Kay

Mit Komfort Plus bekommen Sie bis zu doppelte Geschwindigkeit, ein Jahr Streaming gratis und …

Stichwort: „… ein Jahr Streaming gratis und …“

Jördis

Und das Fensterbrett?

Stichwort: „Und das Fensterbrett?“

Kay

Das Fensterbrett ist nicht Teil des Tarifs.

Stichwort: „… Fensterbrett ist nicht Teil des Tarifs.“

Jördis

(Klopft auf den Ordner.) Kündigung. Bitte. Ich hab mir extra frei genommen. Ich arbeite im Kreißsaal. Ich habe diese Woche elf Kindern auf die Welt geholfen. Das hier schaffe ich auch.

Stichwort: „… geholfen. Das hier schaffe ich auch.“

Kay

(Leiser, nicht mehr vom Tablet.) Elf?

Stichwort: „Elf?“

Jördis

Zwölf, wenn man die Zwillinge doppelt zählt.

Stichwort: „… wenn man die Zwillinge doppelt zählt.“

Kay

(Lässt die Hände sinken.) Entschuldigung. Ich darf keine Kündigung aufnehmen, bevor ich drei Angebote gemacht habe. Das ist Vorschrift. Komfort Plus war eins.

Stichwort: „… ist Vorschrift. Komfort Plus war eins.“

Jördis

Dann machen Sie die anderen zwei. Schnell.

Stichwort: „… machen Sie die anderen zwei. Schnell.“

Kay

(Sehr schnell.) Möchten Sie ein neues Handy zum Vorteilspreis? Möchten Sie unsere Familienoption für nur fünf Euro mehr?

Stichwort: „… Familienoption für nur fünf Euro mehr?“

Jördis

Nein und nein.

Stichwort: „Nein und nein.“

Kay

(Atmet aus.) Danke. (Tippt.) Dann nehme ich jetzt die Kündigung auf.

Stichwort: „… nehme ich jetzt die Kündigung auf.“

Jördis

(Überrascht.) Einfach so?

Stichwort: „Einfach so?“

Kay

Einfach so. Ich muss nur noch fragen, ob Sie mit der Beratung zufrieden waren. Auf einer Skala von eins bis zehn.

Stichwort: „… einer Skala von eins bis zehn.“

Jördis

Ich soll Sie bewerten. Nachdem Sie mir drei Sachen verkaufen wollten, die ich nicht will.

Stichwort: „… verkaufen wollten, die ich nicht will.“

Kay

(Pause.) Ich hab diesen Monat noch keine Kündigung abgewendet. Wenn ich bis Monatsende nicht auf meine Quote komme, muss ich zum Gespräch. Das dritte dieses Jahr. Ein viertes gibt es nicht.

Stichwort: „… Jahr. Ein viertes gibt es nicht.“

Jördis

(Sieht Kay lange an.) Wie lange machen Sie das schon?

Stichwort: „Wie lange machen Sie das schon?“

Kay

Elf Jahre. Ich war mal gut darin. Früher hat man den Leuten noch Handys erklärt. Ich hab einer Kundin mal zwei Stunden lang gezeigt, wie man Fotos an die Enkel schickt. Die kommt heute noch jedes Jahr vor Weihnachten mit Plätzchen. (Pause.) Jetzt hab ich ein Tablet, das mir sagt, was ich sagen soll.

Stichwort: „… mir sagt, was ich sagen soll.“

Jördis

(Nimmt den Ordner und legt ihn wieder hin.) Zehn.

Stichwort: „Zehn.“

Kay

Was?

Stichwort: „Was?“

Jördis

Auf der Skala. Zehn. Weil Sie am Ende aufgehört haben abzulesen. (Pause.) Und weil ich zwar kündige, aber wiederkomme.

Stichwort: „… weil ich zwar kündige, aber wiederkomme.“

Kay

Sie kommen wieder?

Stichwort: „Sie kommen wieder?“

Jördis

Den Vertrag kündige ich. Und nächste Woche komme ich mit meiner Mutter und kaufe ihr ein Handy. Und Sie erklären ihr zwei Stunden lang, wie man Fotos schickt.

Stichwort: „… Stunden lang, wie man Fotos schickt.“

Kay

(Lächelt zum ersten Mal echt.) Das ist kein Tarif.

Stichwort: „Das ist kein Tarif.“

Jördis

Ist mir egal. Geben Sie mir einfach einen Termin.

Stichwort: „… Geben Sie mir einfach einen Termin.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Kay ist offen angelegt und lässt sich in jeder Besetzung spielen. Jördis ist entschlossen, aber nicht unfreundlich. Keine der beiden Figuren ist die Böse; beide stecken in einem System, das nicht für sie gemacht ist.
  • Das Verkaufsskript hat einen eigenen Ton: zu fröhlich, zu glatt. Der Wechsel zwischen Skript und echter Stimme ist ein Wechsel im Sprachregister und der Motor der Szene.
  • Das Tablet ist eine wichtige Requisite. Kay versteckt sich dahinter. Wenn es zur Seite gelegt wird, ändert sich alles.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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