Thekla: „Sein Geist ists, der mich ruft“

Monolog · Weimarer Klassik · Blankvers, dann Reimverse

Thekla: Sein Geist ists, der mich ruft.

aus Wallensteins Tod (1799) von Friedrich Schiller · IV. Aufzug, 12. Auftritt

Originaltext · Wallensteins Tod, Friedrich Schiller (1799)ungekürzt
Dauer
ca. 2 Mingeschätzt, 180 Wörter
Umfang
26 Verseungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 15–25redaktionelle Einschätzung
Tonlage
gefasstleise & nachdenklich
Sprache
Blankvers, dann Reimversebehutsam modernisiert
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(Thekla allein.)

  1. Sein Geist ists, der mich ruft. Es ist die Schar
  2. Der Treuen, die sich rächend ihm geopfert.
  3. Unedler Säumnis klagen sie mich an.
  4. Sie wollten auch im Tod nicht von ihm lassen,
  5. Der ihres Lebens Führer war – Das taten
  6. Die rohen Herzen, und ich sollte leben!
  7. – Nein! Auch für mich ward jener Lorbeerkranz,
  8. Der deine Totenbahre schmückt, gewunden.
  1. Was ist das Leben ohne Liebesglanz?
  2. Ich werf es hin, da sein Gehalt verschwunden.
  3. Ja, da ich dich, den Liebenden gefunden,
  4. Da war das Leben etwas. Glänzend lag
  5. Vor mir der neue goldne Tag!
  6. Mir träumte von zwei himmelschönen Stunden.
  7. Du standest an dem Eingang in die Welt,
  8. Die ich betrat mit klösterlichem Zagen,
  9. Sie war von tausend Sonnen aufgehellt,
  10. Ein guter Engel schienst du hingestellt,
  11. Mich aus der Kindheit fabelhaften Tagen
  12. Schnell auf des Lebens Gipfel hinzutragen,
  13. Mein erst Empfinden war des Himmels Glück,
  14. In dein Herz fiel mein erster Blick!

(Sie sinkt hier in Nachdenken, und fährt dann mit Zeichen des Grauens auf.)

  1. – Da kommt das Schicksal – Roh und kalt
  2. Fasst es des Freundes zärtliche Gestalt
  3. Und wirft ihn unter den Hufschlag seiner Pferde –
  4. – Das ist das Los des Schönen auf der Erde!

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

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Spielhinweise

  • Ein kurzer Monolog (gut zwei Minuten), der vom Blankvers in gereimte Verse übergeht. Der Wechsel zeigt, wie die Erinnerung sie forttreibt.
  • Thekla ist nicht kraftlos. Ihr Entschluss steht am Anfang („Nein!“); der Rest ist Begründung und Abschied.
  • Die Regieanweisung vor den letzten vier Zeilen ist der Wendepunkt: Aus Erinnerung wird ein Bild des Grauens. Lass dir Zeit dafür.
  • Die Schlusszeile ist berühmt. Sprich sie als Erkenntnis, nicht als Sentenz.

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Vorsprech-Set

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