Quinn: Sonntagsbraten

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Quinn: Siehst du. Kannst du schon.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 371 Wörter
Umfang
371 Wörterungekürzt
Figur
offen besetzbar
Spielalter
ca. 19–25redaktionelle Einschätzung
Tonlage
witzigtragikomisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Ein Esstisch, Sonntagsbraten, Rotkohl, Klöße. Quinn, zweiundzwanzig, sitzt am Tischende, die Gabel in der Hand. Alle sehen Quinn an.)

Ob ich jemanden kennengelernt habe. Ja, Papa. Viele. Ich wohne in einer WG mit vier Leuten, einer davon ist eine Katze. Die Katze ist ganz süß, aber sie hat kein Interesse. (Niemand lacht.) Okay. Das war der Witz für die erste Minute.

Ich muss euch was sagen, und ich hab mir das im Zug aufgeschrieben, und dann hab ich den Zettel in die Jacke gesteckt, und die Jacke hängt im Flur. (Quinn legt die Gabel hin.) Also ohne Zettel.

Ich bin nichtbinär. Das heißt, ich bin keine Frau. Und ich bin auch kein Mann. Ich bin irgendwas, das dazwischen liegt oder daneben, und ich hab lange gebraucht, bis ich dafür ein Wort hatte, und jetzt hab ich eins, und es passt. Und ich wollte, dass ihr das von mir hört und nicht über Instagram.

(Stille. Der Bruder räuspert sich.)

Nein, Max, das ist keine Phase. Du hattest eine Phase, da hast du nur Energydrinks getrunken und dich Maximus genannt. Das hier ist anders.

Mama, du musst nicht weinen. Oder doch, du darfst. Aber nicht, weil du denkst, du hast was falsch gemacht. Du hast nichts falsch gemacht. Du hast mir beigebracht, dass man die Wahrheit sagt, auch wenn alle gucken. Das hier ist deine Schuld, im besten Sinne.

Papa, ich weiß, du sagst gleich, dass du das nicht verstehst. Das ist okay. Ich hab es selbst zwanzig Jahre lang nicht verstanden. Du musst es heute nicht verstehen. Du musst nur noch da sein, wenn ich es dir erkläre. (Pause.) Und mich weiter zum Fußball mitnehmen. Ich mag Fußball immer noch. Das hat damit nichts zu tun.

(Die Großmutter legt ihr Besteck ab. Sie sagt etwas, leise. Quinn hört zu.)

(Überrascht.) Wie du es richtig machen sollst? (Quinn lacht, kurz, erleichtert.) Oma. Du bist die Erste, die das fragt.

Also. Mein Name bleibt Quinn. Den habt ihr mir ja zum Glück gegeben, ohne zu wissen, wie praktisch das mal wird. Und wenn ihr über mich redet, könnt ihr einfach meinen Namen sagen. „Quinn kommt Weihnachten.“ „Quinn hat Hunger.“ Statt „sie“ und „ihr“. Das ist alles. Mehr nicht. Ihr müsst nicht perfekt sein. Wenn ihr euch vertut, sag ich es freundlich, und dann machen wir weiter.

(Die Großmutter sagt etwas.) Ja, genau. „Quinn hat den Braten angeschnitten.“ (Quinn nickt, die Augen werden nass.) Siehst du. Kannst du schon.

(Quinn nimmt das Messer, steht auf und schneidet den Braten an.)

Und ich bin immer noch die, die den Braten anschneidet. Der. Das Kind. (Quinn lacht.) Seht ihr, ich übe auch noch. (Quinn legt der Großmutter das erste Stück auf den Teller.) Für dich zuerst. Du hast heute gewonnen.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Quinn ist nervös und versteckt es hinter Pointen. Die Witze sind Schutz, keine Show; spiele sie so, dass man merkt, wie viel davon abhängt, ob jemand lacht.
  • Am Tisch sitzen fünf Menschen. Gib jedem Gegenüber einen festen Platz, damit dein Blick die Reaktionen sortiert. Das hilft auch beim Self-Tape.
  • Der Text verzichtet bewusst auf Belehrung. Quinn erklärt nur so viel, wie die Familie in dem Moment verstehen kann.
  • Der Wendepunkt kommt von der Großmutter, nicht von Quinn. Hör ihr zu, bevor du antwortest. Ab dort wird der Text leichter und wärmer.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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