(Pfingstabend im Hochwald, in Norwegen. Peer Gynt ist alt und kehrt nach einem langen Leben in der Fremde heim; vor der Küste hat er Schiffbruch erlitten. Er kriecht im Gehölz umher und sammelt wilde Zwiebeln.)
- Dies hier ist ein Standpunkt. Wie wohl gestaltet
- Sich’s weiter? – Prüft alles, und das Beste behaltet! –
- So hab’ ich’s gemacht, – hoch droben von Cäsar
- Bis herunter zum Grasfresser Nebukadnezar.
- So sollt’ ich nun doch durch die Bibel, zum Trutz! –
- Der Graukopf sucht wieder an Mutters Brust Schutz. –
- Von Erde, so heißt’s ja auch, bist du kommen. –
- Nur immer die Wampe recht voll genommen, –
- Das ist’s. Von Zwiebeln? Das wär’ kein Segen; –
- Ich will lieber schlau sein und Schlingen legen.
- Hier ist Wasser im Bach; ich werd’ nicht verschmachten;
- Als Tier bin ich immer noch fürstlich zu achten.
- Soll ich sterben einst, – und dem entrinn’ ich wohl kaum, –
- So kriech’ ich unter ’nen windbrochnen Baum,
- Und deck’ mich zu, wie ein Bär, mit Blättern
- Und ritz’ in die Rinde mit riesigen Lettern:
- Hier ruht Peer Gynt, des Landes Zier,
- Kaiser von all dem andern Getier. –
- Kaiser?
(Lacht innerlich.)
- Noch immer das alte Geliebel!
- Du bist kein Kaiser; du bist eine Zwiebel.
- Jetzt will ich dich einmal schälen, mein Peer!
- Es hilft dir nichts, stöhnst du auch noch so sehr.
(Nimmt eine Zwiebel und pflückt Haut um Haut ab.)
- Da liegt die äußre, zerfetzte Schicht; –
- Der Gescheiterte, der um sein Leben ficht.
- Die Passagierhaut hier, dünn wie ein Sieb, –
- Hat doch im Geschmack von Peer Gynt einen Hieb.
- Hier ist das Goldgräber-Ich; – fahr hin!
- Der Saft ist weg, – war je einer drin.
- Dies Dickfell hier, mit dem Zipfel für zwei, –
- Ist der Pelzjäger an der Hudsonsbai.
- Dies gleicht einer Krone hier; – hat sich was –!
- Dem geben wir ohne weitres den Pass.
- Hier der Altertumsforscher, kurz aber kräftig,
- Und hier der Prophete, frisch und vollsäftig.
- Er stinkt von Lügen, wie’s in der Schrift heißt;
- Ein Duft, der ein ehrlich Mannsaug’ wie Gift beißt.
- Dies Blatt hier, das weichlich am Finger klebt,
- Ist der Herr, der herrlich und in Freuden gelebt.
[…]
(Pflückt mehrere auf einmal ab.)
- Das hört ja nicht auf! Immer Schicht noch um Schicht!
- Kommt denn der Kern nun nicht endlich ans Licht?!
(Zerpflückt die ganze Zwiebel.)
- Bis zum innersten Innern, – da schau’ mir einer! –
- Bloß Häute, – nur immer kleiner und kleiner. –
- Die Natur ist witzig!
(Wirft den Rest fort.)
- Verdammtes Gegrübel!
- Geht eins in Gedanken, gerät’s ihm oft übel.
- Na, ich kann ja nichts an Haltung verlieren;
- Denn ich lieg’ ja grundfest auf allen Vieren
(Kraut sich im Nacken.)
- Wunderlich kommt mir dies Welttreiben vor!
- Das Leben, wie’s heißt, hat ’nen Fuchs hinterm Ohr.
- Doch greift einer zu, verzieht sich der Schuft,
- Und man fängt etwas andres – oder leere Luft.
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