(Ein Imbisstresen. Ein großer Suppentopf, eine Kelle. Nadja, zweiunddreißig, mit Schürze und Kopftuch, rührt. Vor ihr steht ein junger Mann mit Handy auf einem Stativ.)
Nee. Nu guck nich so. Nee heißt nee. Da kommt kee Matscha drauf. Ooch kee Schaum. Wenn ich Schaum will, mach ich ’ne Bierwerbung.
(Rührt.) Weeßte, was das is? Das is Soljanka. Die is ausm Osten gekomm’, von ganz weit hinten, Russland, Ukraine, so genau weeß das keener. Und dann is se hier geblieben. Bei uns. In jedem Ferienlager, in jeder Betriebskantine, in jeder Kneipe. Meine Mutti hat die hier neunzehn Jahre lang jeden Freitag gekocht. Und ich mach die jetze genauso. Mit Gurke, mit Zitrone, mit allem, was vom Donnerstag übrig is.
Du sagst „neu interpretieren“. (Sie hört auf zu rühren.) Junge, das is ’ne Restesuppe. Die is schon interpretiert. Die interpretiert sich jede Woche selber. Was im Kühlschrank is, kommt rein. Das is das Prinzip. Das is quasi Nachhaltigkeit, bevor’s dafür ’n Wort gab.
(Sie schöpft einen Löffel und hält ihn ihm hin.) Hier. Kost erst ma. Bevor de was verbesserst. (Pause. Sie beobachtet ihn.) Na? (Sie grinst.) Siehste. Da guckste. Das is Zeit. Die Soljanka braucht keene Interpretation. Die braucht Zeit. Die muss ziehen. So wie de Leute hier.
(Sie stellt die Kelle ab.) Ich mach dir ’n Angebot. Du kannst dein Video drehen. Aber nich von deinem Schaum. Von meiner Suppe. Und du schreibst drunter: „Bei Nadja in Connewitz, seit neunzehn Jahren gleich.“ Und wenn das Ding viral geht, kriegste ’ne Schüssel umsonst. Jeden Freitag. Lebenslang.
(Pause.) Und die Algenchips, die kannste deinem Hamster geben.
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