Mats: Das Rezeptheft

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Mats: Eine Prise, die man sieht, nicht eine, die man schmeckt.

Freier Text von SceneTalent

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Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 340 Wörter
Umfang
340 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 19–24redaktionelle Einschätzung
Tonlage
leiseleise & nachdenklich
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Eine Küche. Mats, zwanzig, steht am Herd, eine Schürze um, die ihm zu klein ist. Er stellt eine Schüssel mit Klopsen auf den Tisch. In der anderen Hand hält er ein dünnes Schulheft.)

So. Königsberger Klopse. Mit Kartoffeln, nicht mit Reis. Das war ihr wichtig. Reis ist für Leute, die es eilig haben, hat sie gesagt.

(Er hält das Heft hoch.) Das hier hab ich geschrieben. Also, die Handschrift ist meine. Der Rest ist von ihr. Sie hat diktiert, ich hab geschrieben. Jeden Nachmittag, wenn sie wach war. Manchmal nur zehn Minuten. Manchmal ein ganzes Rezept, und dann ist sie mitten im Satz eingeschlafen, und am nächsten Tag hat sie genau da weitergemacht. Beim Wort, wo sie aufgehört hatte.

Sie war sehr streng. Ich durfte nichts weglassen. Wenn ich „etwas Salz“ geschrieben hab, hat sie gesagt: Junge, was heißt etwas? Eine Prise, die man sieht, nicht eine, die man schmeckt. Das steht jetzt auf Seite vier. Ich hab nie verstanden, was das bedeutet. Aber es schmeckt. Bei den Klopsen hat sie dreimal korrigiert, wie groß die sein sollen. Erst Tischtennisball, dann Walnuss, dann hat sie mit der Hand gezeigt. So. Ich hab ihre Hand abgezeichnet. Seite neun, unten links.

(Er setzt sich nicht, bleibt am Herd stehen.) Das Geheimnis sind die Kapern. Nicht die Kapern selbst. Das Wasser, in dem sie liegen. Einen Schuss davon in die Soße, kurz bevor sie fertig ist. Sie hat gesagt, das weiß nicht mal ihre Tochter. (Er sieht Birgit an.) Entschuldigung. Jetzt wissen Sie’s.

Ich hab mich gefragt, ob ich das überhaupt darf. Hier kochen. Ich kannte sie sieben Wochen. Sie kannten sie Ihr ganzes Leben. Ich war nur der, der zufällig da war, wenn sie Lust hatte zu reden.

(Pause.) Sie hat viel von Ihnen erzählt, Birgit. Wie Sie als Kind den Teig roh gegessen haben und Bauchweh hatten. Wie Sie beim ersten Weihnachten nach der Scheidung den Braten haben anbrennen lassen und trotzdem alle satt waren. Sie hat gesagt: Birgit kann alles, sie glaubt es nur nicht.

(Er legt das Heft auf den Tisch, neben Birgits Teller.) Auf der letzten Seite steht was, das ist kein Rezept. Das hat sie mir am letzten Tag gesagt. Ich hab es aufgeschrieben, aber nicht gelesen. Also, ich hab’s natürlich gelesen. Ich musste es ja schreiben. Aber ich hab versucht, es nicht zu verstehen.

(Er zieht die Schürze aus.) Ich geh dann mal. Das Kapernwasser steht im Kühlschrank. Für die zweite Portion.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Mats steht in einer fremden Küche vor einer trauernden Familie. Er weiß mehr über die Verstorbene, als ihm zusteht, und spürt das. Diese Haltung zwischen Nähe und Zurückhaltung trägt den Monolog.
  • Das Rezeptheft ist die wichtigste Requisite. Mats hält es die ganze Zeit fest und gibt es erst am Ende aus der Hand.
  • Die Zitate von Frau Ehlers sind kleine Geschenke. Sprich sie mit ihrer Stimme im Ohr, nicht als Nachahmung.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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