Kofi: Der Antrag

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Kofi: Ich möchte nicht bleiben, weil ich muss. Ich möchte bleiben, weil ich kann.

Freier Text von SceneTalent

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Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 339 Wörter
Umfang
339 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 21–26redaktionelle Einschätzung
Tonlage
beherrschternst & dramatisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Ein kleines Büro. Ein Schreibtisch, ein Bildschirm, ein kalter Kaffee. Kofi, vierundzwanzig, im Hemd, setzt sich und legt eine sehr ordentliche Mappe vor sich.)

Guten Tag, Frau Dietz. Ich hatte die Nummer zweihundertvierzehn. Ich bin seit sieben Uhr hier. Das ist kein Vorwurf. Ich wollte nur, dass Sie wissen, dass ich nicht zu spät bin.

(Er öffnet die Mappe.) Hier ist alles. Masterzeugnis, beglaubigt. Arbeitsvertrag, unterschrieben. Mietvertrag. Krankenversicherung. Meldebescheinigung. Zwei Passfotos. (Pause.) Ich habe drei, falls eins nicht gut ist. Beim letzten Mal war eins nicht gut.

Sie fragen, warum ich bleiben will. Das steht im Formular unter Punkt zwölf, aber da passen nur drei Zeilen hin. Darf ich es Ihnen in mehr als drei Zeilen sagen?

In Kumasi, wo ich herkomme, gibt es ein Wasserwerk. Mein Großvater hat da gearbeitet. Er hat mir als Kind gezeigt, wie das Wasser durch die Filter läuft, Schicht für Schicht, Kies, Sand, Kohle. Er hat gesagt: Kofi, das ist die schönste Maschine der Welt, weil sie nichts kaputt macht. Sie macht nur sauber.

Deswegen habe ich Bauingenieurwesen studiert. Siedlungswasserwirtschaft. In Aachen, fünf Jahre. Ich habe an einem Klärwerk in Düren meine Masterarbeit geschrieben. Über Starkregen. Darüber, wie eine Stadt Wasser aufhält, wenn zu viel davon kommt. (Kurzes Lächeln.) Sie haben in Deutschland inzwischen eher zu viel als zu wenig.

Die Stadtwerke wollen mich. Sie haben mich angerufen, nicht ich sie. Sie suchen seit zwei Jahren jemanden für die Stelle. Am ersten Dezember soll ich anfangen. (Er schiebt den Vertrag ein Stück vor.) Wenn ich die Erlaubnis bekomme.

(Pause. Frau Dietz tippt, ohne aufzusehen. Kofi wartet.)

Frau Dietz, darf ich Sie etwas fragen? Wie viele Termine hatten Sie heute? (Er hört zu.) Einundfünfzig. Mit mir zweiundfünfzig. Das ist viel. Ich habe im Warteraum gesehen, wie Sie dreimal rausgekommen sind, um Leuten zu erklären, wo der Automat für die Nummern ist. Das steht in keiner Stellenbeschreibung.

Ich sage das, weil ich weiß, wie es ist, wenn man nur noch Nummern sieht. Ich bin seit fünf Jahren eine Nummer. Nummer im Studierendensekretariat, Nummer hier, Nummer bei der Wohnungsbesichtigung. Ich bin nicht böse darüber. Ich wollte nur einmal, für fünf Minuten, Kofi Mensah sein.

(Er schließt die Mappe und schiebt sie ihr ganz hin.) Ich möchte nicht bleiben, weil ich muss. Ich möchte bleiben, weil ich kann. Und weil ich glaube, dass Ihre Stadt mich brauchen kann, wenn es das nächste Mal zu viel regnet.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Kofi spricht fließend Deutsch. Spiele keinen Akzent, sondern die Genauigkeit eines Menschen, der weiß, dass jedes Wort zählt. Sein Spielziel ist Anerkennung, nicht Mitleid.
  • Frau Dietz ist nicht unfreundlich, nur erschöpft. Kofi erkennt das und spricht sie darauf an. In diesem Moment wechselt der Status zwischen den beiden.
  • Die Mappe mit den Unterlagen liegt die ganze Zeit vor ihm. Er schiebt sie ihr erst zu, wenn er fertig ist.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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