Kleopatra: „Den Mantel gib, setz’ mir die Krone auf“

Monolog · Renaissance & Shakespeare · Blankvers (Übersetzung Wolf Graf Baudissin)

Kleopatra: Den Mantel gib, setz’ mir die Krone auf, Ich fühl’ ein Sehnen nach Unsterblichkeit!

aus Antonius und Cleopatra (1607) von William Shakespeare · V. Aufzug, 2. Szene

Originaltext · Antonius und Cleopatra, William Shakespeare (1607)eingerichtet
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 239 Wörter
Umfang
35 Verseeingerichtet
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 30–50redaktionelle Einschätzung
Tonlage
feierlichleidenschaftlich
Sprache
Blankvers (Übersetzung Wolf Graf Baudissin)behutsam modernisiert
PDF-Optionen

(Alexandria, ein Zimmer im Grabmal. Antonius ist tot, Cäsar will Kleopatra im Triumphzug nach Rom führen. Ein Bauer hat ihr in einem Korb Giftschlangen gebracht; Iras bringt Mantel und Krone.)

  1. Den Mantel gib, setz’ mir die Krone auf,
  2. Ich fühl’ ein Sehnen nach Unsterblichkeit!
  3. Nun netzt kein Traubensaft die Lippe mehr. –
  4. Rasch, gute Iras! Schnell! Mich dünkt, ich höre
  5. Antonius’ Ruf: ich seh’ ihn sich erheben,
  6. Mein edles Tun zu preisen; er verspottet
  7. Des Cäsar Glück, das Zeus nur als Entschuld’gung
  8. Zukünft’gen Zorns verleiht. Gemahl, ich komme! –
  9. Jetzt schafft mein Mut ein Recht mir zu dem Titel!
  10. Ganz Feu’r und Luft, geb’ ich dem niedern Leben
  11. Die andern Elemente. – Seid ihr fertig,
  12. So kommt, nehmt meiner Lippen letzte Wärme! –
  13. Leb wohl, du gute Charmion! Liebste Iras,
  14. Ein langes Lebewohl!

(Küsst sie, Iras fällt hin und stirbt.)

  1. Hab’ ich die Natter auf der Lippe? Fällst du?
  2. Kann sich Natur so freundlich von dir trennen?
  3. So trifft uns Tod wie Händedruck des Liebsten,
  4. Schmerzlich und doch ersehnt. Liegst du so still?
  5. Wenn du so hinscheid’st, meldest du der Welt,
  6. Sie sei nicht wert des Abschieds!

[…]

  1. Dies beschämt mich! –
  2. Sieht sie zuerst Antonius’ lockig Haupt,
  3. Wird er sie fragen und den Kuss verschwenden,
  4. Der mir ein Himmel ist. – Komm, tödlich Spielzeug,

(Setzt die Schlange an ihre Brust.)

  1. Dein scharfer Zahn löse mit eins des Lebens
  2. Verwirrten Knoten! Armer, gift’ger Narr!
  3. Sei zornig, mach’ ein End! O könnt’st du reden,
  4. So hört’ ich dich den großen Cäsar schelten
  5. Kurzsicht’gen Tropf!

[…]

  1. Still,
  2. Siehst du den Säugling nicht an meiner Brust
  3. In Schlaf die Amme saugen?

[…]

  1. So süß wie Tau! so mild wie Luft! so lieblich –
  2. O mein Antonius! – Ja, dich nehm’ ich auch,

(Setzt eine zweite Schlange an ihren Arm.)

  1. Was wart’ ich noch ...

(Fällt zurück und stirbt.)

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes · Ganzes Stück lesen (öffnet neuen Tab)

Spielhinweise

  • Kleopatra inszeniert ihren Tod als letzten Auftritt. Mantel und Krone sind ihr Kostüm; spiele die Freude daran, nicht nur die Trauer.
  • Iras stirbt vor ihr. Kleopatras erste Reaktion ist Eifersucht: Iras könnte Antonius zuerst küssen. Das ist komisch und groß zugleich.
  • Die Zwischenrufe Charmions sind gestrichen ([…]). Lass dir an diesen Stellen Zeit, als hörtest du sie.
  • Das Bild vom Säugling an der Brust verwandelt die Schlange. Spiele es zärtlich und ohne Angst. Zur Arbeit mit Requisiten im Monolog lohnt sich eine Probe mit echtem Material.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

Go to Top