(Ein Zimmer in Angelos Haus. Angelo hat Isabella eben allein gelassen.)
- Wem sollt’ ich’s klagen? Wem ich dies erzählte,
- Wer glaubte mir’s? O gleisnerischer Mund,
- Der mit der einen und derselben Zunge
- Verdammnis spricht und Billigung zugleich!
- Der das Gesetz nach Willkür schweigen heißt,
- Und krümmt nach seinen Lüsten Recht und Unrecht,
- Sich ihm zu schmiegen! Hin zum Bruder eil’ ich,
- Und fiel er auch durch allzu heißes Blut,
- Doch lebt in ihm so großer Geist der Ehre,
- Dass, hätt’ er zwanzig Häupter hinzustrecken
- Auf zwanzig blut’ge Blöck’, er böte sie,
- Eh’ seine Schwester ihren Leib entheiligt
- In so abscheulicher Entweihung.
- Ja, Claudio, stirb: ich bleibe keusch und rein;
- Mehr als ein Bruder muss mir Keuschheit sein.
- Ich sag’ ihm noch, was Angelo beschieden,
- Dann geh’ er durch den Tod zum ew’gen Frieden.
(Geht ab.)
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