Ida: Mein Zimmer

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Ida: Die leuchten nur, wenn es dunkel ist.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 270 Wörter
Umfang
270 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 18–21redaktionelle Einschätzung
Tonlage
nüchternleise & nachdenklich
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Ein Kinderzimmer, halb leer. Umzugskartons, eine zusammengerollte Matratze. An der Decke kleben Leuchtsterne aus Plastik. Ida, neunzehn, steht auf einem Stuhl, einen Spachtel in der Hand.)

So. Jetzt ihr. (Sie sieht an die Decke.) Ihr seid die Letzten. Die Bücher sind im Keller, die Pferdeposter im Altpapier, und der Schreibtisch steht bei Lina im Treppenhaus, bis sie einen Transporter hat.

Ich war sieben, als Papa euch angeklebt hat. Er hat gesagt, das ist der Große Wagen. Ist es nicht. Das sind siebenundzwanzig Sterne in einem ungefähren Haufen. Ich hab es mit zwölf mit einer App nachgeprüft. Ich hab es ihm nie gesagt.

(Sie setzt den Spachtel an, hält inne.) Ihr habt alles gesehen. Die Nacht mit dem Gewitter, in der ich nicht schlafen konnte. Die Nächte, in denen Mama und Papa unten laut waren und ich oben die Musik lauter gemacht habe. Die Nacht nach der Zusage aus Leipzig, als Lina und ich hier auf dem Boden lagen und gekichert haben, bis es hell wurde.

(Zur Wand.) Und du. Du warst früher gelb. Mit vierzehn hab ich dich dunkelblau gestrichen, weil gelb peinlich war. Hinter dem Schrank bist du noch gelb. Da steht mit Edding: Ida war hier. Das muss wohl auch weg.

(Sie steigt vom Stuhl und setzt sich auf einen Karton.)

Ab Montag wohnt hier Oma. Weil die Treppe in ihrem Haus zu steil ist und weil Mama sagt, das ist jetzt so. Ich finde das richtig. Wirklich. Ich bin sowieso nur noch an Weihnachten hier.

(Leiser.) Es ist nur komisch, dass mein Zimmer dann ihr Zimmer ist. Als würde ich offiziell ausziehen. Aus dem Kindsein.

(Es klopft. Ida dreht sich um. In der Tür steht ihre Großmutter, auf einen Stock gestützt.)

Oma. Du solltest doch unten warten. (Sie hört zu.) Nein, ich bin gleich fertig. Ich mach nur noch die Sterne ab. (Sie hört zu und sieht nach oben.) Du findest sie schön?

(Sie lächelt.) Das ist übrigens nicht der Große Wagen. Das ist ein Haufen. (Sie legt den Spachtel in den Karton.) Weißt du was? Die bleiben. Die leuchten nur, wenn es dunkel ist. Und dann braucht man sie ja am meisten.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Ida redet mit Dingen. Spiele das nicht verrückt, sondern selbstverständlich: So redet man, wenn man allein ist. Die Sterne und der Spachtel sind deine Requisiten.
  • Ida findet den Umzug der Großmutter richtig. Die Trauer gilt nicht ihr, sondern dem Ende der Kindheit. Achte darauf, dass dieser Subtext leise bleibt.
  • Die Großmutter spricht, aber nur du hörst sie. Lass dir Zeit, ihr zuzuhören, bevor Ida antwortet.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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