Taylor: Das Wetter

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Taylor: Freitag: Regen. Samstag: Sonne. Sonntag: Mir egal.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 292 Wörter
Umfang
292 Wörterungekürzt
Figur
offen besetzbar
Spielalter
ca. 28–35redaktionelle Einschätzung
Tonlage
souveränkomisch
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Ein Fernsehstudio. Vor einer Wetterkarte steht Taylor, dreißig, im Sakko, einen Klicker in der Hand, einen Knopf im Ohr. Neben der Kamera leuchtet ein rotes Licht. Der Teleprompter zeigt nur noch eine schwarze Fläche.)

… und damit zum Wetter für morgen. (Taylor sieht zum Teleprompter. Nichts. Sieht noch einmal hin. Lächelt.) Und das Wetter für morgen wird … Wetter.

(Zur Regie, schnell.) Der Teleprompter ist weg. Ja. Ich seh das. Drei Minuten? Gut. Drei Minuten. (Zur Kamera, strahlend.) Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, heute machen wir das Wetter mal ganz persönlich.

Morgen, Freitag. Von Westen kommt ein Tief. Das sieht man hier. (Klickt. Auf der Karte erscheinen Börsenkurse.) Das ist nicht das Tief. Das ist der Aktienindex. Der hat aber auch ein Tief. (Klickt wieder. Wetterkarte.) Da. Das Tief. Es heißt Jutta. Tiefs haben ja Namen wie Menschen, die kann man kaufen. Ich hab mal eins gekauft, für meine Mutter, zum Sechzigsten. Es hat ihr dann Hagel in den Garten gebracht. Sie redet seitdem nicht gern über ihr Geburtstagsgeschenk.

Freitag also: Regen. Viel Regen. Nehmen Sie einen Schirm mit. Nehmen Sie zwei, falls Sie jemanden treffen, der keinen hat. So hab ich übrigens Sascha kennengelernt. (Pause.) Das gehört nicht zum Wetter.

Samstag. Samstag wird es schön. Hochdruck, Sonne. Ich hab das dreimal geprüft. Ich hab beim Wetterdienst in Offenbach angerufen und gefragt, ob die ganz sicher sind. Die wollten wissen, warum ich das so genau wissen will. (Pause.) Weil ich am Samstag mit Sascha auf den Feldberg will. Und oben, am Aussichtsturm, wollte ich … (Taylor hält inne.)

(Leiser.) Sascha guckt das gerade. Sascha guckt immer. Jeden Abend um halb acht, mit Tee. (Zur Regie.) Wie viel Zeit noch? Eine Minute. (Zur Kamera.) Gut. Dann eben jetzt. Sascha. Auf dem Feldberg wollte ich dich fragen, ob du mich heiratest. Mit Ring und Sonne und allem. Jetzt frage ich dich im Regionalfernsehen, vor einer Karte mit Jutta.

(Taylor hört etwas im Ohr und legt die Hand daran.) Wie bitte? (Pause.) Sascha hat in der Redaktion angerufen. (Pause.) Sascha sagt Ja. (Pause.) Und ich soll am Samstag trotzdem auf den Feldberg. Mit Ring.

(Taylor fängt sich und strahlt in die Kamera.) Meine Damen und Herren, das Wetter. Freitag: Regen. Samstag: Sonne. Sonntag: Mir egal. Und damit zurück ins Studio. (Pause.) Ich bin ja im Studio. Dann eben zum Sport.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Taylor ist offen angelegt und lässt sich in jeder Besetzung spielen, ebenso Sascha, der Mensch zu Hause. Der Text eignet sich gut für ein Selftape: direkt in die Kamera, mit sichtbarem Ohrhörer.
  • Taylor redet sich nicht absichtlich um Kopf und Kragen. Jeder private Satz rutscht heraus, weil das Skript fehlt. Spiele die Rückkehr zur Wetterstimme nach jedem Ausrutscher deutlich.
  • Die Antwort aus dem Ohrhörer hörst nur du. Gönne dir die Pause, bevor du sie weitergibst; sie ist die Pointe.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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