Hanna: Die Wahlrede

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

Hanna: Wer ein Programm klaut, muss es auch umsetzen.

Freier Text von SceneTalent

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Dauer
ca. 3 Mingeschätzt, 388 Wörter
Umfang
388 Wörterungekürzt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 15–18redaktionelle Einschätzung
Tonlage
aufgewühltleidenschaftlich
Sprache
Alltagssprache
PDF-Optionen

(Die Aula eines Gymnasiums. Hanna, sechzehn, tritt ans Pult, einen beschriebenen Zettel in der Hand. In der ersten Reihe sitzt Malte. Hanna sieht ihn an, dann auf ihren Zettel, dann legt sie den Zettel umgedreht aufs Pult.)

Hallo. Ich bin Hanna Wieczorek aus der Zehn c. Ich hatte hier eine Rede. (Sie tippt auf den Zettel.) Die habt ihr gerade gehört. Von Malte.

(Unruhe im Saal. Sie hebt die Hand.) Nein, wartet. Ich will das nicht zu einem Drama machen. Es ist nur so: Wenn ich die jetzt vorlese, klingt es, als hätte ich bei ihm abgeschrieben. Und das stimmt nicht. Ich hab die Rede am Sonntag geschrieben, an unserem Küchentisch, bis halb zwei. Malte hat sie am Montag gelesen und gesagt, sie ist gut. (Kurzer Blick zu Malte.) Er hatte recht. Sie ist gut. Er hat sie auch gut vorgetragen.

Malte und ich kennen uns seit der ersten Klasse. Wir haben zusammen die Hamster-AG gegründet, mit genau einem Hamster, und den hat Malte in den Ferien mit nach Hause genommen und verloren. Er hat drei Tage lang Zettel an Laternen geklebt. Der Hamster saß im Toaster. (Kurzes Lachen im Saal.) Ich erzähl das nicht, um ihn lächerlich zu machen. Ich erzähl das, weil Malte der Mensch ist, der drei Tage lang Zettel klebt. Ich weiß, dass er es ernst meint. Er hat es nur von mir abgeschrieben.

Also sag ich die Punkte einfach noch mal, ohne Zettel. Weil sie mir wichtig sind und nicht, weil ich gewinnen will. Erstens: Seife auf allen Toiletten. Nicht als Luxus, sondern weil wir seit drei Jahren in der Pause mit kaltem Wasser und ohne Seife dastehen. Zweitens: Trinkwasserspender im Neubau. Drittens: Bei der Planung der Projektwoche sitzen wir mit am Tisch, nicht nur die Lehrkräfte. Viertens: Ein Raum, in dem man in Freistunden lernen kann, ohne dass einen jemand rausschickt.

(Pause.) Das waren auch Maltes Punkte. Merkt ihr was? Es ist egal, wer von uns gewinnt. Diese Punkte stehen jetzt bei beiden im Programm. Die kommen. Ich will nur, dass ihr euch eine Frage stellt, bevor ihr euer Kreuz macht: Wer von uns zieht das auch durch, wenn es anstrengend wird? Wer sitzt im Februar bei der Schulkonferenz und streitet sich zwei Stunden um einen Seifenspender?

Ich kann euch nicht versprechen, dass ich das besser kann. Ich kann euch nur sagen, dass ich die Rede geschrieben habe, weil ich es will. Nicht, weil es gut im Lebenslauf aussieht.

(Sie nimmt den Zettel und dreht ihn wieder um. Sie sieht zu Malte.)

Malte, eine Sache noch. Du hast Punkt sieben vergessen. Den hab ich Montagnacht dazugeschrieben, nachdem du gegangen bist. (Sie liest vor.) „Punkt sieben: Wer ein Programm klaut, muss es auch umsetzen.“

(Sie legt den Zettel aufs Pult.) Ich finde, der gilt für uns beide. Wählt, wen ihr wollt. Danke.

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • Hanna legt ihren Zettel weg und spricht frei. Alles, was sie sagt, entsteht im Moment. Spiele die Spielhandlung einer Rede: Sie will die Leute in der Aula gewinnen, nicht Malte bloßstellen.
  • Malte sitzt in der ersten Reihe. Jeder Blick zu ihm ist ein kleiner Kampf zwischen Wut und Freundschaft. Lass beide Gefühle zu, ohne dich für eins zu entscheiden.
  • Das Ende mit Punkt sieben ist keine Rache, sondern ein Angebot. Darin liegt die Pointe.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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