Hermione: „Da, was ich sagen will, nichts andres ist“

Monolog · Renaissance & Shakespeare · Blankvers (Übersetzung Dorothea Tieck)

Hermione: Da, was ich sagen will, nichts andres ist, Als dem, des man mich anklagt, widersprechen

aus Das Wintermärchen (1611) von William Shakespeare · III. Aufzug, 2. Szene

Originaltext · Das Wintermärchen, William Shakespeare (1611)Ausschnitt
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 255 Wörter
Umfang
34 VerseAusschnitt
Figur
weiblich
Spielalter
ca. 25–45redaktionelle Einschätzung
Tonlage
würdevollernst & dramatisch
Sprache
Blankvers (Übersetzung Dorothea Tieck)behutsam modernisiert
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(Ein Gerichtssaal in Sizilien. Die Anklage wegen Ehebruchs und Hochverrats ist eben verlesen worden. König Leontes sitzt über seine Frau zu Gericht.)

  1. Da, was ich sagen will, nichts andres ist,
  2. Als dem, des man mich anklagt, widersprechen,
  3. Und mir kein ander Zeugnis steht zur Seite,
  4. Als was ich selbst mir gebe, frommt mir kaum
  5. Zu rufen: »Frei von Schuld!«: da hier für Lüge
  6. Gilt meine Lauterkeit, wird, was ich sage,
  7. Auch also heißen. Doch – wenn Himmelsmächte
  8. Sehn unser menschlich Tun (sie schaun herab),
  9. Dann zweifl’ ich nicht, die Unschuld macht erröten
  10. Die falsche Klag’, und Tyrannei erbebt
  11. Vor der Geduld. – Mein Fürst, Ihr wisst am besten,
  12. Scheint Ihr auch jetzt am wenigsten zu wissen:
  13. So rein und treu war mein vergangnes Leben,
  14. Wie ich jetzt elend bin, und das ist mehr,
  15. Als die Geschichte und Erdichtung, noch
  16. Das Schauspiel kennt, die Menge zu bezaubern.
  17. Denn schaut mich an, –
  18. Genossin königlichen Betts, der halb
  19. Der Thron gehörte, eines Königs Tochter,
  20. Die Mutter eines edeln Prinzen, – steh’ ich
  21. Und sprech’ und schwatze hier für Ehr’ und Leben,
  22. Vor jedem, der es hören will. Mein Leben,
  23. Es drückt mich wie mein Gram, gern miss’ ich beide;
  24. Doch Ehr’, ein Erbteil ist sie für die Meinen,
  25. Sie nur verdient mein Wort. Ich mahn’ Euch, Herr,
  26. Fragt Eu’r Bewusstsein, eh’ Polyxenes
  27. An Euern Hof kam, wie Ihr mich geliebt,
  28. Und wie ich es verdient; seit er gekommen,
  29. Mit welch unziemlichem Entgegentreten
  30. Verging ich mich, dass man mich also deutet;
  31. Wenn’s nur ein Haar breit war jenseit der Ehre,
  32. Sei’s Tat, sei’s Wille nur, im Weg des Unrechts,
  33. So werde Stein das Herz jedweden Hörers,
  34. Und ekel sei mein Grab dem nächsten Blutsfreund!

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Spielhinweise

  • Hermione spricht vor einem Publikum, das schon geurteilt hat. Spiele die Würde einer Frau, die das weiß, und nicht das Flehen einer Angeklagten.
  • Der Kern ist die Anrede an Leontes: „Mein Fürst, Ihr wisst am besten“. Er ist der Einzige, den sie wirklich erreichen will.
  • Sie ist körperlich erschöpft. Lass das in Atem und Haltung spürbar werden, ohne den Text zu verlangsamen; vergleiche Haltung.
  • Der Schluss ist ein Schwur. Setze ihn klar ab und halte danach die Stille aus.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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