(Ein Gerichtssaal in Sizilien. Die Anklage wegen Ehebruchs und Hochverrats ist eben verlesen worden. König Leontes sitzt über seine Frau zu Gericht.)
- Da, was ich sagen will, nichts andres ist,
- Als dem, des man mich anklagt, widersprechen,
- Und mir kein ander Zeugnis steht zur Seite,
- Als was ich selbst mir gebe, frommt mir kaum
- Zu rufen: »Frei von Schuld!«: da hier für Lüge
- Gilt meine Lauterkeit, wird, was ich sage,
- Auch also heißen. Doch – wenn Himmelsmächte
- Sehn unser menschlich Tun (sie schaun herab),
- Dann zweifl’ ich nicht, die Unschuld macht erröten
- Die falsche Klag’, und Tyrannei erbebt
- Vor der Geduld. – Mein Fürst, Ihr wisst am besten,
- Scheint Ihr auch jetzt am wenigsten zu wissen:
- So rein und treu war mein vergangnes Leben,
- Wie ich jetzt elend bin, und das ist mehr,
- Als die Geschichte und Erdichtung, noch
- Das Schauspiel kennt, die Menge zu bezaubern.
- Denn schaut mich an, –
- Genossin königlichen Betts, der halb
- Der Thron gehörte, eines Königs Tochter,
- Die Mutter eines edeln Prinzen, – steh’ ich
- Und sprech’ und schwatze hier für Ehr’ und Leben,
- Vor jedem, der es hören will. Mein Leben,
- Es drückt mich wie mein Gram, gern miss’ ich beide;
- Doch Ehr’, ein Erbteil ist sie für die Meinen,
- Sie nur verdient mein Wort. Ich mahn’ Euch, Herr,
- Fragt Eu’r Bewusstsein, eh’ Polyxenes
- An Euern Hof kam, wie Ihr mich geliebt,
- Und wie ich es verdient; seit er gekommen,
- Mit welch unziemlichem Entgegentreten
- Verging ich mich, dass man mich also deutet;
- Wenn’s nur ein Haar breit war jenseit der Ehre,
- Sei’s Tat, sei’s Wille nur, im Weg des Unrechts,
- So werde Stein das Herz jedweden Hörers,
- Und ekel sei mein Grab dem nächsten Blutsfreund!
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