(Ein Gruppenraum in einer Kita. Bunte Bilder an der Wand. Andreas, achtunddreißig, im Anzug, sitzt auf einem Kinderstuhl, die Knie fast auf Höhe der Ohren. Ihm gegenüber sitzt die Erzieherin, Frau Okonkwo, auf einem normalen Stuhl.)
Nein, das geht schon. Ich sitz gut. (Der Stuhl knarrt.) Sehr gut.
Also. Lilli hat gebissen. Den Finn. In den Arm. Ich hab den Abdruck gesehen, Finns Mutter hat mir ein Foto geschickt. Mit Lineal daneben. Drei Komma vier Zentimeter. (Pause.) Das ist eine ordentliche Leistung für eine Vierjährige. Das darf ich nicht sagen. Ich weiß. Entschuldigung.
Ich hab mit ihr geredet. Gestern Abend. Ich hab gesagt: Lilli, warum beißt du den Finn? Und sie hat gesagt: Weil er meinen Bagger genommen hat. Und ich hab gesagt: Dann sagst du Stopp. Und sie hat gesagt: Hab ich. Und dann hab ich gebissen. (Pause.) Eine klare Eskalationsstufe. Muss man ihr lassen.
(Er rutscht auf dem Stuhl hin und her.) Frau Okonkwo, ich muss Ihnen was sagen. Ich war genauso. Ich hab im Kindergarten auch gebissen. Den Stefan. Wegen einer Rutsche. Meine Mutter erzählt das heute noch bei jeder Familienfeier. Der Stefan ist jetzt Zahnarzt. (Pause.) Das hat vielleicht was mit mir zu tun.
Ich will nur sagen: Ich weiß, wie das ist. Man ist klein, und die anderen sind schneller, und die Wörter kommen nicht rechtzeitig. Und dann kommt was anderes. Die Zähne sind halt schneller als die Wörter.
Wir üben jetzt zu Hause. Ich bin der Finn, sie ist sie. Ich nehm ihr was weg, und sie muss es mit Worten zurückholen. Gestern hat sie gesagt: Papa, das ist meins, und ich bin sehr, sehr wütend. Ich war so stolz, ich hab fast geweint.
(Er versucht aufzustehen. Der Stuhl bleibt an ihm hängen.) Ach. Wissen Sie was, ich bleib noch kurz sitzen. Erzählen Sie mir noch was Gutes über Lilli. Irgendwas. Ich brauch das jetzt.
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